Panorama beschädigten Lebens
baz@rt.de/ch, das sieht aus wie eine kryptische Internetadresse. Doch hinter dem Wortspiel mit Art und Basar steckt ein Festival, das sich mit seinem zweiten Durchgang bereits zu einem der wichtigsten Auftritte im nicht gerade festivalarmen Polen gemausert haben dürfte. Mit dem altehrwürdigen Stary Teatr als Basis gelang es den beiden Kuratoren Agata Siwiak und Pawel Miskiewicz, deutsches und polnisches Theater nicht nur in einem Programm nebeneinander zu stellen, sondern auch mit echten Wechselbeziehungen zu präsentieren.
Christoph Marthalers «Lina Bögli» kam auf ihrer seit 1997 währenden Reise von Basel über Berlin und Zürich endlich dort an, wo die Weltreise der Schweizerin ihren Sehnsuchtsort hat: im Krakau einer nie erfüllten Liebe zu einem stolzen polnischen Offizier. Das Publikum, das bislang nur zwei oder drei Marthaler-Gastspiele kannte, wollte «Lina Böglis Reise» so heftig ins Herz schließen, dass am zweiten Abend eine Security-Firma für den geordneten Einlass sorgen musste. Nicht weniger begehrt das Gastspiel der Berliner Schaubühne mit «Andromache» von Luk Perceval, der auf der Bühne des Stary wie kurz zuvor schon mit seinem «Onkel Vanja» in Wroclaw dabei war, seine ...
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Pilgern ist Pop in diesen Zeiten. Als der Papst kam, feierten im karnevalserprobten Köln katholische Jugendliche in unübersehbaren Massen unterm Kreuz ihre neu entdeckte Spiritualität, und es war nicht immer ganz klar, ob sie gerade «Helau» oder «Heiland» riefen: Pilgern ist zum Event verkommen, bei der der einsamen lieben Seele keine Ruhe mehr gelassen wird....
Verstaubt? Abgenutzt? Klassisch, also wirkungslos? Mitnichten. Edward Albees Drama zum Geschlechterkrieg, 43 Jahre alt, präsentiert sich in Karin Henkels Düsseldorfer Inszenierung vital wie ein junger Hüpfer, urkomisch, bizarr, grausam, provokant. Gut zweieinhalb Stunden Kampftheater, Pointenschlacht, Nervenkrieg, Seelen-Casting. Ein weiteres Highlight im letzten...
Für jeden Hotelmanager wäre es eine echte Herausforderung: Quadratmetergroße Wasserflecken auf den kahlen Wänden, die halbe Decke mit durchlöcherter Plastikverschalung hängt absturzgefährdet windschief, der Fußboden sieht aus wie nach einem mittleren Raketenangriff. Die Bruchbude ist keinen halben Stern mehr wert und muss nach gerade überstandenem Krieg dringend...
