Festival: Wer ist der Affe?
Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen Fall der Profitrate mögen veraltet, ja obsolet sein. Aber seine auftrumpfende Rhetorik des Zorns ist es nicht.
«Unsre Bourgeoisie, nicht zufrieden damit, dass ihnen die Weiber und Töchter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offiziellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnügen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verführen.» So schamlos schrieb eigentlich nie wieder ein Ökonom. Und niemand hat so suggestiv die Produktionssphäre als Gruselkabinett ausgemalt: bevölkert von den ausgesaugten Arbeiterheeren, vom «Vampir» des Kapitals, von den Götzen des Warenfetischs. Untote allerorten. Jacques Derrida hat sich diese Rhetorik in seiner Studie «Marx’ Gespenster» 1993 vorgenommen. Den Titel haben sie sich am HAU für ihr zehntägiges Marx-Renaissancefestival gegriffen. Klingt ja auch gut.
Gezupft ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Christian Rakow
Schaut man aus dem 21. Jahrhundert auf Ramstein, das europäische Hauptquartier der amerikanischen Luftwaffe bei Kaiserslautern, kann einem der Unfall auf der Air Base, bei dem 1988 während einer Flugschau 70 Menschen ums Leben kamen, schon wie ein Vorbote des 21. Jahrhunderts und seiner schuldig-unschuldigen Kriege vorkommen. Heute spielt, wie in Deutschland...
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
Franz Wille Frau Kisseler, Sie sind ein gutes halbes Jahr Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins, traditionellerweise eher eine Aufgabe für wettergegerbte Altintendanten wie August Everding, Jürgen Flimm oder zuletzt Klaus Zehelein. Wie sind Sie in dem neuen Amt angekommen?
Barbara Kisseler Ich fühle mich von den Mitgliedern getragen. Ich hatte im Stillen...
