Künstlerporträt: Die Schmerzensmutter
Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht es nicht, es geht um die Tänzerin Alessandra Ferri, die hier im Kinosessel sitzt und als Eleonora Duse sich selbst auf der Leinwand beobachtet. Und es geht, tatsächlich, auch um den Kinosessel.
Der nämlich wird die folgenden 100 Minuten bis zur Pause auf der Bühne stehen, abseits von Neumeiers neoklassischem Tanz, abseits von der atemberaubenden Performance der 52-jährigen Ferri, abseits auch von der metaphernsatten Biografie, die hier erzählt wird. Weil der Kinosessel das Motivs des Zuschauens verdeutlicht, wird klar, dass es in «Duse» um den Blick auf die Bühne geht. Es geht um Schauspiel.
Auf Innerlichkeit gebaut
John Neumeier, als Intendant des Hamburger Balletts einer der letzten Vertreter des handlungsorientierten Spitzentanzes in Deutschland, hat sich schon häufig für Künstlerbiografien interessiert, es gibt Ballette ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Falk Schreiber
Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen...
Dortmund, der Ort des achten Mordes des NSU-Trios, ist ein geeigneter Ort für Elfriede Jelineks «Das schweigende Mädchen». Beate Zschäpe schweigt, Elfriede Jelinek lässt sprechen. Jelinek hat sich vom schweigenden Mädchen zur schreibwütigen Nobelpreisträgerin therapiert («Ich bin schweigsam wie das Mädchen, hahaha!»). Das passt.
Michael Simons setzt als Regisseur...
Pläne der Redaktion
Neues von Philippe Quesne:
Er leitet seit zwei Jahren das Theatre Nanterre-Amandiers und bringt seine neue Inszenie-rung «Caspar Western Friedrich» an den Münchner Kammerspielen heraus
Dimitrij Schaad ist ein «Masterpiece of Integration» – das sagt er auch selbst.
Ein Porträt
Auch im New Yorker Meltingpot ist Integration keine einfache Sache,...
