Die 68er sind schuld
Die selbsternannten Freiheitskämpfer auf spanischen Plätzen oder am Stuttgarter Hauptbahnhof, nicht mehr zufriedenzustellen durch den Gang der Dinge unter den Bedingungen repräsentativer Demokratie, tragen dazu bei, dass Juli Zehs Revolten- und Aufruhr-Fantasie um das «Corpus Delicti» nicht mehr ganz so weit hergeholt wirkt wie bei der Uraufführung 2009.
Vielleicht standen damals auf den Flughäfen auch einfach noch nicht gar so viele Raucherkäfige herum, angesichts derer der Zeitgenosse heute die Sorge nicht los wird, dass diese Glas-Knäste für unbelehrbare Quarzer eines Tages von außen abgeschlossen und mitsamt der Insassen in irgendeiner Wüste endgelagert werden könnten … so etwa jedenfalls mag sich auch Juli Zeh den staatlichen Gesundheitsterror vorgestellt haben, der im Zentrum ihrer finstren Polit-Phantasie von übermorgen steht.
2057 herrscht in Zehs Staat «die Methode»; eine Art Grundgesetz, das Pflege und Erhaltung von Körper und Gesundheit zum Maß aller gesellschaftlichen Dinge erklärt. Deshalb trägt auch jeder einen Speicherchip in der Schulter, da, wo früher immer die Impf-Spritzen angesetzt wurden; was der so speichert, landet umgehend beim Methoden-, sprich: Verfassungs- ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 73
von Michael Laages
Auf die Frage, ob er in Heidelberg länger als in Tübingen verweilen würde, meinte Peter Spuhler zu Beginn seiner Intendanz, das sei er schließlich seinem guten Ruf schuldig. Denn in Tübingen, der Station zuvor, war er nur drei Jahre geblieben. In Heidelberg sind es sechs Jahre geworden, und Spuhler muss nicht fürchten, als flatterhaft zu gelten, obwohl er weiterhin...
Zwischendrin sah es so aus, als wäre das Live-Art-Festival auf Kampnagel ein Zuschauer-Alptraum mit nur zwei Alternativen: entweder mitmachen oder Nackte ansehen. Da erhielt man als Gefangener einer Spielsituation den Auftrag, einem wildfremden Nachbarn mit beiden Händen würgend an den Hals zu fassen, sah einer vollständig unbekleideten Akteurin dabei zu, wie sie...
Es ist schon zum Kotzen, viel zu jung zu sterben. Schlimm ist, dass man überhaupt stirbt, aber das Allerschlimmste ist, zu früh zu sterben, sagte man schon zu den Zeiten Homers. Es gibt aber auch fast schon genauso lange die erschreckende Gegenthese, die Nietzsche dem Begleiter des Dionysos, dem weisen Silen, in den Mund gelegt hat: «Das Beste ist für dich...
