Generation Ego-Shooter?
Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je aufeinander zu bewegten.
Denn ob diskurserprobtes Reflektionstheater oder in Figuren aufgehendes Repräsentationsspiel – ein gemeinsamer Nenner einte den Großteil der zwölf angetretenen Produktionen einer jungen Generation, die sich in einem der zahlreichen Gespräche selbst als «Ego-Shooter» bezeichnete: ein hohes Maß an Selbstreferenzialität. Katharina Cromme von der Zürcher Hochschule der Künste brachte die allgegenwärtige Reflektion der Mittel unmittelbar ins Spiel: Beim von ihr selbst verfassten Text «Romantik ist ein Frauenporno» lief ein absurdes Regelwerk der Postdramatik als Leuchtschrift neben der Szene, während die Spielformen der ironischen Authentizität durchdekliniert wurden. Die Regeln gipfelten in der Regel, auf jeden Fall die Regel zu brechen. Im zweiten Teil ihrer Arbeit wurde der Versuch, endlich doch ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Liebe Redaktion,
ich muss leider passen. Denke seit einigen Tagen herum, aber soooo richtig fällt mir nichts ein. Zumindest habe ich immer gleich schon selbst überzeugende Gegenargumente. Elfriede Jelineks «Werk/Bau/Sturz» in Köln, ja, aber wollen wir zweimal Jelinek? Christine Dössel hat die Auswahl von München gut begründet. Philipp Löhles «supernova» in Mannheim,...
Wenn in der nächsten Woche die Regierung zurücktritt, darf auf Demonstrationen getanzt werden», beendet Heiner Müller seine Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. Zukunftsbesorgt hatte er davor zur «Gründung freier Gewerkschaften» aufgerufen − die Volksstimme buht. Jetzt jubelt sie, eine halbe Million, deren «Euphorie» und «Bedürfnis nach einem...
Immerhin ein kleiner Mann sieht nach der großen Revolution noch so aus wie vorher: der Hausmeister (Dilaver Gök). Der darf im klischeegrauen Mantel auf die Bühne schlurfen und saubermachen, wenn die Herrschaften Revolutionäre beim heftigen Disput für und wider ein Guillotinen-Blutbad mal wieder den Konferenzraum verwüstet haben. Und was hat er selbst von der...
