Hybris an der Gü

Dürrenmatt «Besuch der alten Dame»

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Wie jede gute Fabel lässt sich auch die des nun 50 Jahre alten «Besuchs der alten Dame» in zwei Sätzen wiedergeben. Als junge Frau wurde Klara Wäscher von ihrem Liebhaber geschwängert, in einem Vaterschaftsprozess gelinkt und ins Elend gestoßen. Jahrzehnte später kehrt sie als Claire Zachanassian ins Städtchen Güllen zurück und verspricht der bankrotten Gemeinde eine Milliarde, wenn diese den Liebhaber von einst tötet – was dann (natürlich) auch geschieht. Oder in einem Satz: «Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell.

» 

Güllen ist also die Welt, und die Welt ist – Düsseldorf. Denn eine der verblüffenden Pointen des berühmten Textes von Dürrenmatt besteht in der Erkenntnis, wie leicht dieser sich auf alle möglichen Verhältnisse stülpen lässt, ohne nennenswerten Schaden zu nehmen. Die Kö ist jetzt also die «Gü», der Rhein ist die «Gülle», und die längste Biertheke der Welt wird nicht in Form einer wirklichen Theke, sondern in der eines schmalen Holzstegs auf die Bühne gebracht, welch letztere sich nach Herzenslust dreht und hebt und senkt und deren symbolisches Zentrum eine schnittige Yacht darstellt (Bühne Carola Reuther). Zur hellen Freude des Publikums ...

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Theater heute Mai 2007
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Martin Krumbholz

Vergriffen
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