Die Abschaffung der Wirklichkeit
Zu der Zeit, als Rousseau seine politische Theorie der Freiheit entwarf, waren die englischen, deutschen, portugiesischen, holländischen und französischen Siedler und Kolonialisten gerade dabei, die Eingeborenen Afrikas zu versklaven. Ein gutes Beispiel dafür, dass wir die Ideologie nie mit der Realität verwechseln sollten. Bücher transportieren Ideologien, und Menschen ertragen die Realität – was nicht ausschließt, dass sich beide an bestimmten Punkten treffen können.
Der (ehemals?) linke Philosoph Slavoj Zizek hat in seinem neuesten Buch «Der neue Klassenkampf: Die wahren Gründe für Flucht und Terror» eine Liste sogenannter europäischer Werte aufgestellt. An der Spitze stehen die Freiheit und die Behauptung, dass Flüchtlinge aus hauptsächlich muslimischen Länden sich nicht dazu bekennen. Als ob jeder Europäer gleichermaßen die Freiheit der Rede, der Religion, der Rassen und des Geschlechts wertschätzen würde. Zizek schlägt vor, alle europäischen Werte aufzuschreiben und Flüchtlinge, die Europa betreten, zu diesen Werten zu befragen. Wenn sie anderer Ansicht sind, sollte man sie nicht hereinlassen. Stellen wir uns einen Vertrag vor aus sogenannten europäischen Werten, den alle ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Amir Reza Koohestani
1989 fanden in der Prager Nationalstraße Demonstrationen statt, die nach einigen Tagen in die sogenannte Samtene Revolution mündeten. Die einerseits das stalinistische Regime hinwegfegte, andererseits das Doppelstaatsgebilde Tschechoslowakei implodieren ließ und das Land einem radikalen Raubtierliberalismus aussetzte.
Besonders samten geht es bis heute zumindest...
Gut so. Ewald Palmetshofers Stück, ausgezeichnet mit dem Mülheimer Dramatikerpreis vor bald schon wieder zwei Jahren, erleidet offenkundig nicht das Schicksal vieler und selbst starker neue Theatertexte: einmal aufgeführt zu werden und dann nie wieder. Schon Anfang des vorigen Jahres hatte das Mainzer Theater in einigen Aufführungen die Koproduktion mit dem...
Hinter der Rampe im kleinen weißen Kasten in der Box des Deutschen Theaters ein Abgrund, aus dem sich Hände recken, bevor sich drei Gestalten in Ganzkörper-Lederanzügen in abgestuften Brauntönen hochhangeln – das Unterirdische, jetzt kommt es nach oben.
Viel braucht András Dömötör nicht, um aus Alfred Jarrys 130 Jahre alter Despoten-Farce «König Ubu», entstanden aus...
