Lied der Heimat

Ewald Palmetshofers neues Stück «tier. man wird doch bitte unterschicht» findet neue Töne für ein altes Thema: die Uraufführung in Dresden.

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Der Titel ist schnell geklärt, zumindest sein zweiter Teil. Der erste dauert etwas länger. «man wird doch bitte unterschicht» ist ein Zitat aus dem Stück, gesprochen von einem sogenannten Experten für die sozialen Verhältnisse im sogenannten Prekariat, der sich schon vor der letzten Silbe «... schicht» politisch korrekt auf die Zunge beißt.

Das anschließende «… wohl noch sagen dürfen» hat er sich ebenso verbissen, was man heute umso weniger versteht, als ausgewiesenes SPD-Führungspersonal, von Berliner und Brandenburger Partei-Fürsten in die Bundesbank gelobt, bekanntlich noch ganz andere Dinge zu diesem Thema sagt. So betrachtet ist Ewald Palmetshofers neues Stück «tier. man wird doch bitte unterschicht» durch Thilo Sarrazin und seinen Bestseller zur Vererbung von Sozialmerkmalen tatsächlich überholt. Die Annahme, dass Unterschicht in den Genen stecke, kommt hier nicht einmal vor.


Stattdessen geht es um Erika, die einzige Figur mit Namen. Die Putzhilfe und Aushilfskellnerin hat das Tier in sich gründlich abgeschafft, seit sie als Schülerin im Schulkeller vom Schuldirektorssohn unter tätiger Mithilfe einiger Klassenkameraden brutal vergewaltigt wurde. Was auch Jahre später jeder im ...

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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Stück des Monats, Seite 42
von Franz Wille

Vergriffen
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