Der Teufel wohnt im Emmental

Reto Finger: «Kaltes Land»

Theater heute - Logo

Es gehört von jeher zum Wesen des Menschen, dass er dort, wo er die Dinge nicht versteht und die Welt ihm Angst macht, nach Erklärungen sucht, um sich das Unheimliche näher zu bringen. Wo keine rationalen Erklärungen zu finden sind, entstehen Geschichten gegen das Fürchten, die über Jahrhunderte und Generationen hinweg weitererzählt werden: ein eigener Kosmos aus Naturereignissen, bösen Mächten und Teufelswerk.


Auch Hanna, die Hauptfigur in Reto Fingers «Kaltes Land», kennt diese Geschichten: Vom «Britsche-Manndli» etwa, einem von Kinderhänden geformten Männchen aus «Britsche», der weichen Masse jungen Käses, in dem der Teufel zum Leben erwacht und das Kind und seine Familie ins Unglück stürzt. Oder von Macolvis Tochter, von der es heißt, sie sei auf grausame Art zu Tode gekommen und der Wind trage nun ihren traurigen Gesang aus den unzugänglichen Schluchten ins Dorf, um im Winter den ersten Schnee anzukündigen.
Dort, wo Hanna aufwächst, irgendwo in einem entlegenen Tal in den Schweizer Bergen, gehören diese Geschichten bis heute ganz selbstverständlich zum Leben dazu, ja, sie sind bisweilen gar das Leben selbst. Hier pflegt man einen ebenso archaischen wie pragmatischen Umgang mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Neue Regeln, Seite 143
von Thomas Laue

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ficken ist retro

Der Gegenwartsautor ist im Zeitalter von Projekten und omnipotenten Regisseuren zu einer knöchernen Existenz erstarrt: altmodisch, lästig, rückständig in seinem Beharren auf Sprache, anmaßend in dem Glauben, einem Text könne vertraut werden. Katharina Schmidt, Jahrgang 1980 und Absolventin des Studienganges «Szenisches Schreiben» an der Universität der Künste...

Regeln des Raums

Wenn Muriel Gerstner ein Bühnenbild entwirft, wird immer ein besonderer Spielraum daraus. Man kann das eine Regel nennen, im Nachhinein.
Aber vorher helfen nur ausgreifende Lektüren und – vielleicht – ein Foto von Freud über dem Sicherungskasten im Atelier: Judith Gerstenberg, bisher Dramaturgin in Basel, begibt sich auf Spurensuche, nicht ohne Fallen.

...
Leben ohne Schonbezug

Plötzlich die Sehnsucht nach Natur. Bäume sehen! Himmelfläche. Weidenfläche. Schmerzfläche. Lust. Hinaus ins Grün. Achtlos über Laub. Bis außer Atem. Grundlos lachen. Sich halbtot lachen. Aus dem Schlafwandel erwacht plötzlich merken: Ich bin schon zu weit gelaufen. Hunger und quälende Lust auf Kaffee und Butterbrot, eine Stärkung. Um mich herum nur die blöde...