Heimat nirgends
Flüchtlinge haben ja längst eine Maßeinheit: Man gibt sie in Hunderten oder Tausenden an, in den Zeitungen und im Fernsehen begegnen sie uns als Masse, namenlos bleibt der Einzelne, sein ganz individuelles Schicksal unerzählt. Der junge, aus Kiew stammende Autor Dmitrij Gawrisch hat sich für sein Stück «Brachland» zwei Menschen herausgegriffen aus dem Pulk, der die Heimat verlässt, um etwas Besseres als den Tod zu finden.
Ivan und Oleg bleiben auf ihrem Weg aus Osteuropa irgendwo im Westen hängen, wo sie sich Arbeit erhoffen, ein Einkommen, das sie denen schicken können, die sie zurückgelassen haben. Das ist der Plan – eine Erfüllung wird nicht garantiert.
Vielleicht ist der Ort, an dem man in Jena dieses kleine, in seiner Vorhersehbarkeit etwas harmlose Stück spielt, gar nicht so falsch: Auf der Unterbühne, also quasi im Keller, treffen wir die zwei Männer, die am Rand der Gesellschaft, ganz unten angekommen sind. Die Hoffnungen erwiesen sich als falsch: Sie sind Illegale, sie verstecken sich, sie sind pleite – ihr Traum ist zertrampelt, ihre Existenz brüchig. Vorbei auch die Zeit, in der sie sich noch mit Lügen und Selbstbeschwichtigungen bei Laune halten konnten. In dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Jena, Seite 52
von Bernd Noack
Die Regieanweisungen in Hjalmar Söderbergs «Gertrud» sind äußerst akkurat. Keine schlichten Hinweise, dass man sich etwa in einem Salon befände, nein, jede bauliche Eigenart, jedes Einrichtungsstück von besagtem Salon wird genau beschrieben. «Über der Kommode: ein Empirespiegel mit Haltern für zwei Kerzen.» Zwei Kerzen, wichtig. Weil aber Annette Kurz und Karl...
Das bildungsbürgerliche Publikum ist überall: Nicht nur auf die Hinterbühne hat es sich verdoppelt, sondern sogar bis auf die Bühne verlängert. Dort unten, eingekesselt zwischen den beiden Tribünen, lauschen zwei seriös gekleidete Paare einem Klavierspieler (Matthias Herrmann) und einem Sänger (Tomas Möwes) bei der Darbietung deutscher Volkslieder. Kurz darauf darf...
Es ist eines der schönsten und verrücktesten Theaterprojekte unserer Tage: In der auf zehn Teile angelegten Performancereihe «Life and Times» bringt die New Yorker Gruppe Nature Theater of Oklahoma seit 2009 die Lebensgeschichte einer jungen Frau auf die Bühne.
Basis für das epochale Unterfangen sind zehn Telefonate, die 2007 mit der damals 34-jährigen Musikerin...
