Die große Negation?

Sie sollten der Endpunkt allen Opernschaffens sein: John Cages «Europeras» von 1986, die Heiner Goebbels für die Ruhrtriennale wiederbelebt hat

Theater heute - Logo

Die Musiktheoretiker Heinz Klaus Metzger und Rainer Riehn, damals Chefdramaturgen an der Frankfurter Oper, beauftragten John Cage in den 1980er Jahren mit einer «irreversiblen Negation» der Oper; einer Oper, mit anderen Worten, die jede weitere Oper fürderhin unmöglich machen solle.

Da weder Cage noch Riehn und Metzger über die Exekutive verfügten, um die gewünsch­­te Unterlassung polizeilich durchzusetzen, um etwa Leute wie, sagen wir, Wolfgang Rihm daran zu hindern, mit dem Komponieren von Opern fortzufahren, konnten die «Europeras 1 & 2», die Cage seinen Auftrag–gebern 1987 lieferte, ihren Schlusspunkt nur auf künstlerischer Ebene setzen: Wer sie gesehen hat, so mögen es sich Metzger und Riehn vorgestellt haben, hätte ob des neuen Materialstands, der von ihr ablesbar war, erkennen müssen, dass sich künstlerisch-fortschrittslogisch jede weitere Oper verbiete. Wer dem zuwider handelte, wäre gerechtem Gespött preisgegeben.

Dergleichen ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Sieht man die Inszenierung, die Heiner Goebbels, neuer Intendant der Ruhrtriennale, auf seinem Festival mit gewaltigem Aufwand und trotzdem nicht ganz unlakonisch präsentiert, wundert man sich eher, wie perfekt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 6
von Diedrich Diederichsen

Weitere Beiträge
Von Gretchen bis Grollfeuer

Als Doris Schade 1962 in Fritz Kortners legendärer «Othello»-Inszenierung die Desdemona spielte, war sie kein williges Opferlamm, kein unschuldig naives Mädchen, sondern eine moderne junge Frau. Sie bestach, wenn man die Kritiken und Erzählungen nachverfolgt, durch eine subtile Mischung aus Sanftmut, Klarheit und Entschlossenheit. Obgleich von einer kindlichen...

Welcome to the Free Zone

Franz Wille Es kommt nicht so oft vor, dass sich gleich drei erfahrene Festivalmacher ein neues Format ausdenken wie jetzt «Foreign Affairs» bei den Berliner Festspielen. Es ist eine der ambitioniertesten Festivalgründungen derzeit, in diesem Jahr kuratiert von Frie Leysen, ab dem nächsten übernimmt dann Matthias von Hartz. Deshalb wollen wir ein bisschen...

E sagt

Kein zweiter Mythos der Menschheitsgeschichte bringt Liebe, Tod und Kunst zwingender zusammen als die Geschichte von Orpheus und Eurydike, dem Göttersohn und der Nymphe. Ovid hat sie in seinen «Metamorphosen» beschrieben, sie ist x-mal vertont, dutzendfach nacherzählt worden: Wie Eurydike, die geliebte Frau des gefeierten Sängers und Leierspielers Orpheus nach dem...