Dresden: Politisch und privat
Schwer was los bei Fiesko, dem Grafen von Lavagna (Christian Erdmann): Die Upperclass zu Genua hat sich ums gräfliche Designer-Tischchen zum Flaschendrehen versammelt – wobei sich It-Girl Julia (Karina Plachetka) schwer enthemmt als Flasche zur Verfügung stellt. Fiesko-Gattin Leonore (Ines Marie Westernströer) hottet unterdessen im hochpreisigen Silber-Top ab, während der Meister selbst im semitransparenten Hemd am Plattenteller steht.
Keine Frage: Derart zwangsverruchte Machteliten-Orgien kriegt man nur im Theater zu sehen! Und für diejenigen, zu denen trotzdem noch nicht durchgedrungen ist, dass es sich bei Dekadenz, schlüpfrigen Entgleisungen und Edeldrogenmissbrauch auf jeden Fall um schmutzige Privilegien derer «da oben» handelt, steht am Schiebetür-Eingang des zylinderförmigen Fiesko-Saales (Bühne: Marc Bausback) vorsichtshalber ein Hinweisschild: «Geschlossene Gesellschaft».
Auch ansonsten streicht Jan Philipp Gloger in seiner Schiller-Inszenierung «Die Verschwörung des Fiesko zu Genua» auf der großen Bühne des Staatsschauspiels Dresden das Nächstliegende heraus. Der undurchsichtige, jüngst zum «Lebemann» mutierte Fiesko, den die republikanisch besorgten Nobili anno 1547 zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Christine Wahl
Tanz auf dem Minenfeld
She She Pops «Frühlingsopfer»
Seit ein paar Jahren ist es keine Sensation mehr, dass sich unter den zehn auserwählten Theatertreffen-Inszenierungen ein oder zwei in der Freien Szene wurzelnde Produktionen finden. Dieses Jahr allerdings wurde nur das post-marthalerische Theater des bis vor kurzem noch frei produzierenden Regisseurs Thom Luz...
Um kernige Worte war Sewan Latchinian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu...
Was wir noch wissen vom Krieg? Nichts. Was stellt er an mit den Menschen, die ihn durchleben? Keine Ahnung. Theatertexte, die im Gefolge der jugoslawischen Erbfolgekriege geschrieben und aufgeführt wurden, markierten womöglich die letzte halbwegs konkrete Verbindung mit Mord und Totschlag aus politisch-ideologischen Motiven. So fremd und fern ist der Krieg, dass...
