Kuratorenkunst: Krisen-Screening
Europa knirscht in seinen Grundfesten. In Brüssel und an den diversen Binnen- und Außengrenzen wird immer hektischer daran gearbeitet, die inneren Fliehkräfte, die es zu zerreißen drohen, und den Ansturm der Hilfesuchenden von außen noch irgendwie zu harmonisieren. Grund genug, auch in der künstlerischen Praxis nach stabilisierenden Zwischenböden zu fahnden, weshalb sich das Goethe-Institut bereits seit Längerem um die strukturelle Vernetzung europäischer Künstler unterhalb der Ebene der großen internationalen Festivals bemüht.
Nachzufragen, wie freie Künstler(-kollektive) als früh in Mitleidenschaft gezogene Seismografen der Gesellschaft die Auswirkungen der europäischen Krise wahrnehmen und wie sie ihr begegnen, war denn auch der Ansatzpunkt für das von den Kuratorinnen Anna Mülter und Dorothee Wenner zusammen mit den Münchner Kammerspielen, dem Onassis Cultural Center Athen, dem Sirenos-Theaterfestival Vilnius, dem Teatro Maria Matos Lissabon und dem Tiger Dublin Fringe über drei Jahre entwickelte Kleinfestival «Europoly», das nun zunächst mal in München zu sehen war.
Die Eröffnungsproduktion «Clean City» aus Athen zeigt denn auch gleich, wie interkultureller Transfer ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Silvia Stammen
Die Zombifizierung des Menschen im Maschinenzeitalter ist länger schon ein Thema für Claudia Bauer. In Dortmund setzte die Regisseurin Fassbinders «Welt am Draht» um. In Leipzig ließ sie jüngst für Wolfram Hölls «Und dann» Puppenmenschen wie von Radiowellen gesteuert durch ein surreales Erinnerungshaus schlurfen. Unter Pinocchiomasken.
Es ist gefühlt kein weiter...
Filmvergleiche stehen bei selbst ernannten Bühnenberatern ja hoch im Kurs. «Wenn das Theater eine Zukunft haben will», ließ unlängst zum Beispiel «Der Freitag» die Katze aus dem Sack, «muss es sich an den neuen TV-Serien orientieren.» Und ein weithin als «Kulturbürgermeister» apostrophiertes Stadtoberhaupt, der Mannheimer Politiker Peter Kurz, verkündete auf einer...
Im Grunde erzählt Orhan Pamuks Roman «Schnee» eine ganz konkrete Geschichte: Der Schriftsteller Ka kehrt aus dem Exil in eine türkische Kleinstadt zurück, um über eine Suizidserie unter jungen Muslima zu recherchieren, und gerät dabei zwischen die Fronten von laizistischer Staatsmacht und politischem Islam. Alles wird genau beschrieben: das osttürkische Städtchen...
