Wir Zöpfe
für Nadeshda
Personen
Wera, die schönste Frau der Welt – ohne es zu wissen
Nadeshda, die Tochter mit den kurzen Haaren
Ljubov, das abgetriebene Kind mit Zöpfen
Konstantin, der Held der Roten Armee ohne Haare
John, der Deutsche aus Amerika mit Haaren aus der Kinderschokoladenwerbung
Imran, der Mann mit grauen Haaren und vielen Blumen darin
Chris, der Krankenhausengel mit Haaren, wie sie Engel halt so
haben
Die Stadt sind alle mal. Folglich kann keiner weg
Die Stadt
– Er hat kein Essen mehr gehabt, noch etwas Käse und Chips, das war alles. Aber die Konserven wollte er nicht anfassen, er kam sich lächerlich vor, Konserven essen, ist doch keine Katze, das ging ihm zu weit – Thunfisch aus der Dose essen.
– Also ist er rausgegangen, auch wenn er wusste, dass man vor der Tür auf ihn wartet. Aber das ist ein freies Land und ein freier Mensch kann gehen, wohin er will.
– Und er wollte Lebensmittel einkaufen gehen. Jetzt bekommt er sein Essen durch Schläuche, auch Thunfisch. Aber er kommt durch.
– Er wählte 110, man sagte ihm, er solle Ruhe bewahren, ihm würde nichts passieren. Sei er schon tätig angegriffen worden? Bedroht? Morddrohung? Ja, aber tätlich ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Marianna Salzmann
In Frankfurt gab es im September/Oktober ein großes, gleichwohl weitgehend unbemerktes Projekt. Es war ein weitverzweigtes Gewebe, ein Netz, das von Hanau bis Mainz reichte. Flächenmäßig entspricht das etwa dem Saarland oder auch der Präfektur Tokio, nur dass dort vier Mal so viele Menschen leben wie in der auch nicht gerade menschenleeren Rhein-Main-Region.
Der...
Ein zuschauerfreundliches Theater war Frank Castorfs Sache noch nie. Als sich seine Romanadaption von Curzio Malapartes «Kaputt» nach fünfeinhalb Stunden dem Ende zuneigt, hat das schöne deutsche Wort «Sitzfleisch» einen unangenehm konkreten, ja makabren Beigeschmack erhalten. Auf ihm ist das Publikum Castorf und Malaparte zurück ins Europa des Zweiten Weltkriegs...
Das Melodram ist so etwas wie das verstoßene Kind der Filmgeschichte. Einstmals ganz nah am Herzen, ist es irgendwann in Ungnade gefallen. Heute schämt man sich fast ein bisschen, wenn man an all die Tränen denkt, die man wegen der alten Familiengeschichten vergossen hat.
Wenn in Thiemo Strutzenbergers Stück «Hunde Gottes» das Genre des Melodrams wieder aufgewärmt...
