Wessen Freiheit?
Manche Freiheiten sind für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken. Die Kunstfreiheit etwa sehen wir als selbstverständliche Grundlage unserer Arbeit – und nicht als Privileg, das nicht allen Menschen im gleichen Maße zuteil wird. Wir sollten dieses Privileg deshalb besonders schützen und nutzen. Denn mit jeder Freiheit geht auch Verantwortung einher – besonders denjenigen gegenüber, die weniger frei sind als man selbst.
Auch, wenn das Grundrecht erst einmal für alle gilt, sind in der Praxis – auch in Deutschland – manche Künstler_innen freier als andere.
Kunst ist zwar nicht der Zensur unterworfen – aber gesellschaftlichen und ökonomischen Zwängen, wie alles andere auch: Wer sich künstlerisch wie frei ausdrücken kann, das hat oft mehr mit äußeren Bedingungen zu tun als mit dem eigenen Mut oder den eigenen künstlerischen Fähigkeiten.
Gesellschaftliche Hierarchien werden in der Kunstproduktion nicht außer Kraft gesetzt. Auch hier greifen Unterdrückungsmechanismen. Wir sollten ein Bewusstsein dafür entwickeln, wer sich wie ausdrücken kann und darf. Wer überhaupt die Möglichkeiten hat, sich künstlerisch zu betätigen – und unter welchen Bedingungen. Nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 93
von Simone Dede Ayivi
Kaum ein Thema ist geeigneter, das Recycling als grundlegende Geste der Kultur und zumal des Theaters zu erläutern, als die hartnäckige Wiederkehr der gleichen Stoffe. Shakespeare hat kaum einen seiner zahlreichen Stoffe erfunden. Die Lektüre eines modernen Schauspielführers kann wie das Durchblättern eines mythologischen Lexikons wirken. Reécriture, Zitat, ist...
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut...
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und...
