Die Ordnung der Dinge
Donald Trump hat auch sein Gutes. Ohne ihn als Inspirationsquelle hätte Stephen Greenblatt, wie er im Nachwort bekundet, nie sein neues Buch geschrieben. «Der Tyrann», eine «Machtkunde für das 21. Jahrhundert» ist ein Close Reading von Shakespeares Macht&Herrscher-Stücken, den Königsdramen und Tragödien der «Rosenkriege», den Usurpatoren-Biografien von Macbeth und Richard III., des in Alter, Wahn und Krankheit abstürzenden Lear, aber auch der einschlägigen Beispiele aus der römischen Republik, «Julius Caesar» und «Coriolan».
Dabei fragt Greenblatt oft weniger nach den großen Akteuren als nach den Umständen drumherum: Warum versagen die Institutionen? Warum lassen sich viele Beteiligte wissentlich belügen? Der Aufstieg von Tyrannen braucht Komplizen und Menschen, die bereit sind, sich zu unterwerfen. Und wie lässt sich das Abgleiten in die Willkürherrschaft wenn nicht aufhalten, dann wenigstens verstehen?
Shakespeare, der aus begründeter Angst vor Zensur und Verfolgung immer einen Mindestabstand von 100 Jahren zwischen seiner Gegenwart und der Handlungszeit seiner Dramen einhielt, hatte nicht so sehr Furcht vor Elisabeth I., seiner Königin, sondern der Zeit danach. Kinderlos und ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Büchermagazin, Seite 66
von Franz Wille
«Schiggele» ist ein Mädchen, und wer auf Deutsch lacht, «schmollt» auf Jenisch. «Mulo» ist Tod und Teufel in einem – Jenisch ist die Sprache von fahrendem Volk. Anleihen gibt’s aus dem Romanes, der Sprache von Sinti und Roma (das sind «Manische» neben den «Jenischen»), auch Jiddisch, Deutsch und vieles mehr klingt mit, wenn Jenische sprechen. Für den in Singen...
Die Zukunft wird weiblich», versprach das Badische Staatstheater Karlsruhe zum Saisonstart, und verwies damit zunächst mal aufs eigene Personal: Seit Sommer sind vier der fünf Spartenleitungen weiblich besetzt (das Junge Staatstheater bildet mit Otto A. Thoß die Ausnahme), und Schauspieldirektorin Anna Bergmann hat für ihre erste Spielzeit ausschließlich...
Ein Wunder», ein «Prunkstück», ein «herrliche(s), unvergleiche(s) Haus», ja, ein «Traumhaus» – so überschwänglich beschrieb der nach Bayreuth entsandte Berichterstatter der «FAZ» im April das gerade wiedereröffnete Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, das 2012 den «Weltkulturerbestatus» der Unesco erhalten hat und von 2013 an vom Land Bayern für 30 Millionen...
