Spiel mit dem Lied vom Tod
Amerika eignet sich derzeit im Theater für die eigene Standortbestimmung besonders gut. Cowboyhüte und der Wilde Westen haben Hochkonjunktur auf deutschen Bühnen und taugen vorzüglich, um individuelle wie gesellschaftliche Befindlichkeiten kurz zusammenzufassen.
Auch Ralph Hammerthaler siedelt sein Auftragswerk, eine Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem Forum Freies Theater, im Westerngenre an. Ausgehend vom Amoklauf des Schülers Robert S.
in Erfurt geht er allerdings einen entscheidenden Schritt weiter: Seine Geschichte vom Jungen Carlos, der seinen Lehrer erschießt, sich eine Zeitlang als Outlaw rumschlägt, am Ende aber doch gestellt wird, ist nämlich alles andere als ein Western. Doch die Western-Dramaturgie der Gegensätze ist wie eine groteske Kostümierung und lässt die Hilflosigkeit unserer Erklärungsmodelle umso stärker hervortreten. Die Verteilung der mit Computerspielen und Waffen sozialisierten Kids auf das typische Westernpersonal von Hilfssheriff, Gesetzlosem und Bardame zeigt stets auch ihr Nicht-Aufgehen in diesen klar definierten Rollen und Posen. Stark sind seine lakonischen, aber auch brutalen poetischen Bilder und Zustandsbeschreibungen in den Monologen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Motel irgendwo im amerikanischen Niemandsland. Hier treffen sich Glücksritter und Gelegenheitsarbeiter, die auf dem Fall durch die losen Maschen des sozialen Netzes schon ziemlich weit unten angelangt sind. Ein Limbus für gestrandete Existenzen, dessen schäbige Trostlosigkeit die letzten Überlebenskräfte mobilisiert, um aus dem natürlichen Abwärtstrend noch...
Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...
Zum ersten Mal begegnete ich Palitzsch bei der ersten Probe zur ersten Aufführung des Berliner Ensembles im Zuschauerraum des Deutschen Theaters in der Schumannstraße.
Wir hatten da eigentlich beide nichts zu suchen. Palitzsch war der Dramaturg des Ensembles, und ich ein junger Schauspieler, der keine Rolle im «Puntila» hatte. Aber da uns keiner wegschickte,...
