Deine Heimat, deine Milch
Matthias Schweiger ist ein mächtiger Mann von beinahe Qualtingerschen Dimensionen, nicht nur äußerlich. Wer sich mit seiner Statur das Autoren-Pseudonym «Ferdinand Schmalz» gönnt und sein erstes Stück «am beispiel der butter» nennt, beweist reichlich Souveränität. Und Charme. Um es mit Andreas Beck, dem Wiener Schauspielhaus-Leiter und ehemaligen Arbeitgeber von Matthias Schweiger zu sagen: «Schmalz hat Schmelz.» Dabei ist es ihm, um einen weiteren Kronzeugen zu zitieren, nämlich den Molkereiarbeiter Adi, durchaus «butterernst». Was man so oder so verstehen kann.
Österreichische Autoren von Qualität sind traditionell Zerrissene. Die kleine naturverwöhnte Alpenrepublik bietet naturgegeben viel Heimat und Geborgenheit, sozusagen die Identitätsalmwiese, aber auch deren Kehrseite, die Repressionen der gemütlichen Gemeinschaft. In jüngerer Zeit sind dafür Keller zum Synonym geworden. Humor ist auch immer ein großes Thema, wobei man oft nicht so genau sagen kann, wo er aufhört. Schon die Tiraden von Thomas Bernhard oder die Textrutschen von Elfriede Jelinek waren regelmäßig zum Totlachen, wenn sie einen nicht gerade erschlagen haben. Außerdem hat Österreich wie jedes kleine Land eine ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Franz Wille
Es war einmal eine Zeit, in der es keine Überwachungskameras an Tankstellen, keine Daten sammelnden Bordcomputer und keine Dashcams in Autos gab. Ein Mann begeht Fahrerflucht, eine junge Frau stirbt, ein Tankwart schweigt. Und außer dem Zuhörer wird keiner je die volle Wahrheit erfahren. Und es ist eine Zeit, in der Gier die Menschen zum Morden bringen. Wo der...
Kirsten Heisig ist drei Jahre nach ihrem Tod bereits ein wenig aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden. Dabei waren die Juristin, ihr «Neuköllner Modell» und das dazugehörige Buch «Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter» 2010 ein echter Aufreger, der durch den überraschenden Selbstmord der Jugendrichterin dramatische Züge annahm. Paul...
In seiner zweiten Inszenierung als neuer Intendant des Schauspiels Stuttgart zeigt sich Armin Petras als hinterlistiger Verführer. Er lockt sein Publikum, das noch gar nicht so richtig weiß, was es nun eigentlich von ihm zu halten hat, mit einem doch irgendwie harmlosen Märchen-Werk des hoch verehrten schwäbischen Haus-Dichters Wilhelm Hauff aufs scheinbar...
