Kuscheln trotz des Elefanten
Schon toll, so ein Leben als blonde und blauäugige Königin des Basars: Alexandra (Veronika Bachfischer), deutsche Frau eines Juden in Tel Aviv, schwärmt davon, wie die Händler sie dort hofiert haben. Dann aber ist das Leben in Israel plötzlich nicht mehr so toll: Alexandra wird schwanger und stellt fest, dass ihre Schwiegermutter (Hadas Kalderon) auf der Beschneidung ihres Sohnes besteht, und dass ihr Mann Assaf (Vitali Friedland) ihn mit 18 zum Militär schicken will. Alexandras Reaktion: heim nach Hamburg zu Mutti.
Die fragt, noch bevor sie sich das Enkelchen richtig anschaut, ob sie denn noch Schweinefleisch kochen darf, jetzt, wo Alexandra mit einem Juden verheiratet ist.
Ja, es lauern auch 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, zu deren Jubiläum das Recherchestück «Love hurts» entstanden ist, kulturelle Differenzen, Wissenslücken und Missverständnisse – selbst wenn man die tiefste Kluft zwischen beiden Nationen, den Holocaust, erst mal zu ignorieren versucht. Das aber können selbst Alexandra und Assaf nicht: Zwar reist er seiner Frau und seinem Kind nach. Doch auf dem Frankfurter Flughafen stellt er wie gelähmt fest: «Ich kann ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Andreas Jüttner
Wie steht es zur Zeit mit der Freiheit im Theater? Was überhaupt ist Freiheit im Theater? Und wo ist sie, wenn sie da ist? Bevor wir lange über das Anarchieempfinden manches Protagonisten und die gewissenhafte Plansollerfüllung mancher Bühne räsonnieren, schalten wir um zu Jürgen Kruse.
In Frankfurt hat sich Kruse mit Georg Büchners Melancholiekomödie «Leonce...
Sie sind ein Bild unerschütterlicher Ruhe und Widerstandskraft: Die Kühe, die der japanische Theatermacher Akira Takayama auf schlammigen Weiden, 14 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt, gefilmt hat. Dass sie noch leben, «verdanken» sie, wenn man so will, dem nuklearen Super-GAU im Jahr 2011. Ihr Fleisch ist als atomarer Sondermüll unverkäuflich, und...
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....
