Die anderen Seiten der Flucht
Manche Deutsche haben einen eigenartigen Humor, der sehr ironisch sein kann», warnt das kleine, blaue Buch, aus dem der Schauspieler Khalifa Natour vorliest. «Im Zweifelsfall lieber nachfragen, wie etwas gemeint ist. Andere wirken so, als hätten sie überhaupt keinen Humor.»
Was im Studio der Schaubühne am Lehniner Platz große Erheiterung beim Publikum auslöst, ist keine satirische Überspitzung der deutschen Mentalität aus fremder Perspektive.
Die israelisch-palästinensische Werkstattpräsentation «ManmaRo Project» konfrontiert das (deutsche) Publikum mit seinem Selbstbild – genauer gesagt, mit einem neuen literarischen Genre, das seit Herbst letzten Jahres boomt und in Leitlinienform auftritt: die Neue Deutsche Selbstbeschreibung.
«Deutschland. Erste Informationen für Flüchtlinge» heißt dieses von der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegebene Regelwerk, das die politische Leitkultur-Debatte faktisch auf den publizistischen Ratgebermarkt verlegt (für Flüchtlinge mit iOS und Android auch als kostenfreie App erhältlich); schon eine oberflächliche Recherche im Internet offenbart die Vielfalt an Crashkursen in die bundesrepublikanische Wirklichkeit: Neben politischen Stiftungen ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Anja Quickert
Wer würde schon ein Interview mit Edward Snowden ablehnen? Es war der meistgesuchte Whistleblower der Welt höchstpersönlich, der Regisseurin Angela Richter kontaktierte, nachdem sie mit ihrer crossmedialen Inszenierung «Supernerds» über die Avantgarde der Netzaktivisten in Austin/Texas auf Gastspiel gewesen war. Das Gespräch mit ihm steht im Zentrum ihrer neuen...
Ohne Dildo geht fast gar nichts mehr. Die Performerinnen Marja Christians und Isabel Schwenk kaschieren mit geschätzten drei Dutzend dieser knallfarbigen Gummidinger den erschreckenden Leerlauf und die erhabene Plattheit ihrer im feministischen Hoheitsanspruch steckenbleibenden Interpretation von Hebbels «Judith»; Florentina Holzinger schnallt sich einen mächtigen...
Es war der Roman mit dem längsten Titel der Saison, und er wurde zur allgemeinen Überraschung mit dem sonst durchaus eher dem leichter Bekömmlichen zugeneigten Deutschen Buchpreis 2015 gekrönt: Frank Witzels «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969». Auf über 800 Seiten in mannigfaltigen Textsorten reflektiert,...
