Das große Theorie-Theater
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC: Du meinst Krise!
M: Ja, Krise!
C: Du meinst Krise!
M: Ja, Krise, ja! (zu C) Und du bist eine Katastrophe.
C: Und du bist in einer Krise.
M: Na und?
MC: Ich dachte, ich sei das.
M: Ja, du auch. Ich verwechsle das immer: Krise und Katastrophe.
S: Es ging um Krisen?
M: Ja, genau.
Das kleine Zauberwort, mit dem man das sonderliche Reich des René Pollesch aufschließen kann, heißt also «Krise». Nicht «Konflikt» wie in den Millionen anderen Dramen seit 2500 Jahren, die entweder in der Tragödie enden oder im guten Fall, wie meine Urgroßtante es immer nannte: dass sie sich am Ende kriegen. Also im Happy-End. Nein, in den Stücken von René Pollesch herrscht die Dauerkrise, und deswegen enden sie auch nicht mit dem guten oder bösen Schluss, sondern frühestens im nächsten Stück. Sie lappen hinüber in die nächste Krise, die ein paar hundert ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Akteure, Seite 46
von Till Briegleb
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Ma...
