An der Wertewerkbank

Das Burgtheater greift nach den ganz großen Stoffen: Nicolas Stemann spielt mit Dostojewskijs «Die Brüder Karamasow», Thomas Langhoff begleitet Gert Voss in den «Wallenstein»

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Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von Dostojewskijs Roman «Die Brüder Karamasow» und Thomas Langhoffs Inszenierung von Schillers «Wallenstein». Am Ende: der Rezensent vorzeitig auf der Flucht. Alles in allem ein ziemliches Drama, aber leider kein Ereignis.


 

Nicolas Stemanns Dostojewskij: Tod eines Altrockers

Gleich zu Beginn von Stemanns Dostojewskij-Abend erhebt sich ein Herr um die 60 (Hans Dieter Knebel) in der ersten Reihe des Wiener Akademietheaters, um stolz zu bekennen: «Also, ich war schon ’71 in Paris dabei. Ich kann der neuen Generation nicht folgen.» Ein Veteran von 1871, ein Alt-71er, also Pariser Kommune, ein Urahn sozialer Emanzipation, kann einer Jugend nicht folgen, die bei Dostojewskij ein neues religiöses Wertebewusstsein sucht.

Stemann spielt auf die Alt-68er an und rückt damit auch die neue Generation von damals in die Nähe heutiger ...

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Theater heute Februar 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Helmut Schödel

Vergriffen
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