Enthemmte Schreckgespenster
Der Feldforscher Alfred Loth, den Matthias Redlhammer redlich spielt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders überschwänglich – dieser also ziemlich langweilige Loth trifft im Partyzelt, wo man Champagner und Austern meist im Stehen verzehrt und Abfälle auf den Boden kippt, auf eine bunt gemischte, kaputte Truppe: Da wäre der Ingenieur Hoffmann, Schwiegersohn des Hausherrn, den Dietmar Bär als leicht ins Humane gewendetes, sozusagen gentrifiziertes Exemplar eines Schlampigkeits-Monsters präsentiert.
Dann der verkommene Hausherr selbst, über den mehr geredet wird, als dass er selbst in Erscheinung träte: Claus D. Clausnitzer (die Tatorte Köln und Münster sind bekanntlich Quotenkönige); ein beleidigter Diener im Smoking, der zu einem Belle-Epoque-Stück unbedingt dazugehört (Roland Riebeling); eine böse Stiefmutter mit naturgemäß langen roten Haaren (Katharina Linder); ein steifbeiniger Lakai mit wenig Text als Vertreter der Arbeiterklasse (Bernd Rademacher); noch ein paar andere; und schließlich Xenia Snagowski, die sich der Rolle der verzweifelten Helene Krause annimmt und in doppelter Hinsicht auf verlorenem Posten steht: als Schauspielerin wie als Figur. Die Krause ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Martin Krumbholz
Jetzt ist es vorbei: Nach neun Erfolgsjahren am Berliner HAU verlässt Intendant Matthias Lilienthal Haus und Stadt. Zum Abschied folgte er noch mal dem alten Motto Überforderung mit 24 Stunden «Unendlicher Spaß» und einer weitläufigen «Weltausstellung» auf dem Tempelhofer Feld. An den Münchner Kammerspielen schlägt Michael Thalheimer zum ersten Mal auf mit...
Zum Saisonschluss auch das noch: 24 Stunden «Unendlicher Spaß», eine fragmentarische Adaption des 1545 Seiten starken Riesenromans von David Foster Wallace durch 13 Künstler und Kollektive des Berliner Kombinats Hebbel am Ufer – und eine Reise durch die «utopisch» genannte West-Berliner Architektur der 60er und 70er Jahre. 24 Stunden Theater, das heißt,...
Sie ist die Grande Dame der deutschen Bühnenverlage, er der Dandy der deutschen Theaterwissenschaft: Maria Sommer, 90, leitet bis heute den Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Einsatz für die Urheberrechte und ihrer Freundschaft mit Günter Grass, Christa Wolf und George Tabori.
Andrzej Wirth, 85, übersetzte mit Marcel Reich-Ranicki...
