Rechtschaffen rassistisch

Bruce Norris «Clybourne Park» (DE, Staatstheater, Kleines Haus)

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Sage mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist. Anno 1959 ist das in etwa das Motto der rechtschaffenen Einwohner von Clybourne Park, einem schmucken Stadtviertel von Chi-
cago, das ausschließlich von Weißen bewohnt wird. Kaum zu glauben, dass Russ und Bev
ausgerechnet von hier wegziehen wollen. Doch wen die Ferne der Vororte ruft, den muss
man ziehen lassen. Noch aber sitzt der widerborstige Russ (Marcus Mislin) inmitten des
halb ausgeräumten Wohnzimmers, das in Tapete und Dekor vom Amerika der 50er Jahre erzählt, und löffelt tiefenentspannt Eiskrem.

Immer kurz vor dem fröhlichen Nervenzusammenbruch schwänzelt im Blümchenkleid seine Frau Bev (Nicole Kersten) um ihn herum, während das schwarze Hausmädchen Francine (Lara-Sophie Milagro) mit Räumen beschäftigt ist.

Das Ganze bliebe eine bieder-harmonische Szenerie, wäre da nicht der unverarbeitete Selbst­mord des Koreakrieg-geschädigten Sohnes und die liebe Nachbarschaft, die zum Auszug ihre Aufwartung macht. Aus der Abschieds­plauderei wird schnell ein handfester Streit, denn Russ hat das Haus an eine schwarze Familie verkauft. Die netten weißen Nachbarn sind na­türlich keine Rassisten, sondern Rotarier und auch nur mäßig ...

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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Paula van Bergen

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