Lotte Kotte lebt hier nicht mehr
Lotte Kotte ist eine traurige Heldin, die vor vielen Jahren von Botho Strauß auf den Weg durch die Vorhölle bundesrepublikanisch-bürgerlicher Wohlstandsverwahrlosung geschickt wurde. Sie – und mit ihr eine ganze Generation kritischer Theatermacher – fand nicht viel Gutes, Wahres, Schönes zwischen Remscheid und Essen. Der bürgerlich verfassten Gesellschaft wurde in geistiger wie in politischer Hinsicht nicht viel zugetraut, im Gegenteil: Vor allem die Überwindung bürgerlicher Paradigmen schien erstrebenswert in jenen Jahren.
Heute, mehr als dreißig Jahre später, fragt das Stadttheater besorgt nach seiner Bedeutung in einer nicht mehr homogenen bürgerlichen Gesellschaft. Es betrauert plötzlich den Verlust eben jener bürgerlichen Tugenden, die es einst bekämpfte und denen es zugleich als Institution seine Existenz verdankt, und sucht nun nach seiner Funktion in der Stadtgesellschaft jenseits eines für alle verbindlichen Bildungskanons. Die Erosion bürgerlicher Verhältnisse, einst Ziel unzähliger ästhetischer und theatraler Programme, hinterlässt nicht Freiheit und Selbstgewissheit, sondern Unsicherheit und offene Fragen.
Raus ging das Theater immer schon. Doch ging das Theater einst ...
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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Debatte, Seite 45
von Anselm Weber, Sabine Reich, Thomas Laue
Es ist ja schon eine Grundsatzfrage, wie man ein derart verschwiemeltes Genre wie die Operette auch nur ansatzweise für die Bühne flott machen kann. Und wie man etwas so obszön Blödsinniges wie Jacques Offenbachs «Die Banditen» von 1869 ausgerechnet ins Neumarkt Theater in Zürich bringen kann. Etwas so dreist Doofes, das immerzu an eine Urfassung von «Das Wirtshaus...
Luc Bondy ist nur in seinen Inszenierungen der sensible Menschenkenner; privat kann er nicht einmal grüßen. Er und Frank Castorf schieben sich gegenseitig die Inszenierungen zu. Peter Stein ist total abgedriftet, und Matthias Lilienthal hat mit Christoph Schlingensiefs Freundin geschlafen. Woher wir das alles wissen? Ganz einfach: Christoph Schlingensief ist mit...
Es gibt keinen Theaterautor, mit dem ich einen vergleichbar intensiven, leidenschaftlichen und neugierigen und konstruktiven Dialog über das Theater führen kann wie mit Ulrich Hub. Als wir uns kennenlernten, waren wir beide als Autoren noch am Anfang. Heute werden wir beide in Mülheim als Dramatiker ausgezeichnet. Es freut mich ganz besonders, dass wir beide hier...
