Wie der Mond das Meer bewegt
Endlich ein neues Stück, das es wagt, den Mikrokosmos der (Klein-)Familie und der weitgehend belanglosen Beziehungsproblematiken zu überwinden. Ein in vieler Hinsicht politisches Stück. Ein Volksstück, obwohl der Autor es gar nicht als solches benennt. Ein Theaterstück, das eine bisher literarisch kaum beachtete, aber stetig wachsende Volksschicht in den Blickpunkt des Interesses schiebt: Das Volk der Altgewordenen, das Meer der Vor-der-Pensionierung-Stehenden, die Schicht der Nicht-mehr-Benötigten.
Das zentrale Thema des jungen, in München aufgewachsenen, in Frankfurt arbeitenden Schauspielers, Regisseurs und Autors Jan Neumann ist: die notwendige Einübung ins Sterben. Ein Stück über Lebensglück und Trauer, über Trostlosigkeit und Mut, über das Altwerden. Jan Neumann präsentiert uns keine heroischen, rastlosen Figuren, sondern ganz durchschnittliche, tatenlose Mittelstandsterroristen, hinter deren Floskeln und Redewendungen man durchaus noch Reste einer verwöhnten Generation von Altachtundsechzigern erahnen kann.
Das ist mitunter sehr humorvoll, gezeigt wird aber eine unmerklich gealterte, verbitterte, liebesunfähige Gesellschaft; Menschen, die von unendlicher Freiheit geträumt ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 157
von Jens Gross
Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock’n’Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter‚ die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht machen weiter, der Mond geht auf, die Sonne geht auf, die Augen gehen auf.» Fast dreißig Jahre ist...
Wenn Kunstbanausen, Finanzpolitiker und Wirtschaftszeitungen über das Theater sprechen, dann hört sich das häufig so an, als beginne hinter dem Kartenabreißer eine kapitalismusfreie Zone. Aufzuzählen, wie viele Euro Steuergelder unter jedem Theatersessel kleben, gilt dann als Spitzen-Bonmot, um mit der Behauptung vermeintlicher Verschwendung den Populismus zu...
Endlich waren sich klare Kritiker-Mehrheiten einmal einig: Der Dramatiker des Jahres heißt Lukas Bärfuss, dessen Glaubensstück «Der Bus» auf die Bühne bringt, worüber alle sonst immer nur auf Podiumdiskussionen palavern. Und die unumstrittene Nachwuchsdramatikerin der Saison ist Anja Hilling, Noch-Studentin für Szenisches Schreiben in Berlin, aber schon von vielen...
