Pure Vernunft darf manchmal siegen
Ein Mann allein an der Rampe. Kerzengerade und doch locker Stand- und Spielbein wahrend, den rechten Arm angriffslustig in die Hüfte gestemmt, der Schädel rot und stolz erhoben. Das weiße Hemd strahlt durch die Bühnennacht. Dunkle Bläser, satte Streicher aus der «Alpensinfonie» von Richard Strauss tauchen den Puntila von Norman Hacker für Minuten in ein schweres Pathos. Sein stierer Blick ergreift Besitz von allem, was da vor ihm liegt. Ein Eigentümer, keine Frage, voll von Machtlust, Selbstbewusstsein, tja, und Alkohol.
Ecce Puntila.
Michael Thalheimer, der Brechts finnisches Volksstück aus dem Sommer 1940 am Thalia Theater in Hamburg inszeniert und dabei wie gewohnt gesäubert hat von (beinah) allem, was den Text an ein konkretes Datum bindet, führt uns den feudalen Gutsbesitzer, das «vorzeitliche Tier», wie es im gestrichenen Prolog spöttisch heißt, als Machtmensch mit Suchtschwäche vor. Und Matti, sein Chauffeur im hellen Cordjackett, der, kurz nachdem der Strauss verklungen ist, an die Seite Puntilas tritt, übernimmt den Part des potentiellen Aufsteigers, der nur noch abzuwarten braucht, bis der Chef sich selbst vernichtet hat. Kein Klassenkampf. Kein Sozialismus, der ...
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