In zärtlicher Gleichgültigkeit
Eine Herbstreise durch die Romane inszenierende Theaterlandschaft könnte endlos dauern. Tatsächlich ist ja, seit Frank Castorf irgendwann Mitte der 1990er Jahre anfing, schwere Russen-Romane oder feuilletonistische Zeitgeistergüsse in exaltierte Bühnenwelten zu verwandeln, aus dem interessanten Sonder- ein dramaturgischer Normalfall geworden. Ein Paradox befeuert den Trend: Einerseits lässt sich kaum noch jemand vom heiligen Text («Werktreue») beeindrucken oder daran hindern, ausufernde Landschafts-, Seelen- oder Kriegsbeschreibungen auf pragmatisches Abendformat zusammenzustreichen.
Andererseits muss, wer berühmte Romane (und Filme) vertheatert, doch selbst mal von ihnen beeindruckt gewesen sein – und rechnet entsprechend mit Bildungsbürgers freudigem Wiedererkennen, das letztlich doch auf Ehrfurcht vor den großen Werken fußt.
Lokalpatriotischer Vorstoß
Führt aber die Freiheit, sich für jeden Stoff, jedes Textmaterial der Welt entscheiden zu können, auch zu einer größeren Vielfalt der Theaterformen? Oder sind die Stoffe der alten Romane einfach besser als die der neuen Stücke? Allein die drei Stationen meiner Tour müssen jedes LeserHerz hoch schlagen lassen: Franz Kafkas «Das ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 18
von Eva Behrendt
Ein Küken ist in die Jauchegrube gefallen. Der ganze Bauernhof versammelt sich, setzt Gott und die Welt in Bewegung, um das winzige Wesen zu bergen – und um es, kaum dass es dem Tod entrissen und gesäubert ist, zart in Butter zu braten und zu verspeisen. Ja so san’s, die bayerischen Bauern: herzensgut und saubrutal.
Josef Bierbichler, der diese kleine gemeine...
Im Jubiläumsjahr 2011 ist Heinrich von Kleist 200 Jahre tot und Adolf Dresen, der in den 70er Jahren ein großer Kleist-Regisseur in der DDR war, zehn. «A. ist jetzt tot», mit diesem Satz enden viele Kapitel der «Bilder von A.», in denen ohne große Versteckspielerei Barbara Honigmann die Geschichte ihrer schwierigen Liebe zum 15 Jahre älteren Dresen erzählt, durch...
Kein Konflikt auf dem Globus zieht mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich als der zwischen Israelis und Palästinensern, kaum ein anderer ist so kompliziert, ist bis zur Undurchschaubarkeit verworren. Und doch löst gerade dieser Dauerbrenner unter den weltpolitischen Krisenherden in der internationalen Öffentlichkeit besonders heftige Bedürfnisse nach...
