Auf der Suche nach dem Wurf
Ein riesiger Schacht hat sie geboren. Unter Trommelschlägen. Aus dem kleinen Lichtfenster am fernen Ende trollen sie heran, die Hexen, die Soldaten, ungeschieden, «foul is fair and fair is foul». Leiber über Leiber, Atem zwischen Atmen, Hecheln, Röcheln. Ein Körperknäuel rollt Tilmann Köhler an den Anfang seiner «Macbeth»-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin. Sobald es sich entwirrt hat, werden die Männer (Elias Arens, Felix Goeser, Thorsten Hierse, Matthias Neukirch, Timo Weisschnur) mal die weissagenden «Unglücksschwestern» geben, mal die Mannschaft um Schottenkönig Duncan.
Sie werden sich befühlen und liebkosen, werden in möglichst fluiden Rollenspielen die Personnage neben Macbeth und seiner Lady anskizzieren.
Offenbar fallen dem Regisseur solche Männergruppen ein, wenn er es mit einer Shakespeareschen Tragödie zu tun hat. Schon Köhlers «Kaufmann von Venedig» 2011 in Dresden entwickelte den Konflikt zwischen Shylock und dem Kaufmann Antonio als homoerotisches Ausgrenzungsspiel. Der Menschhaufen des «Macbeth» will allerdings mindestens zwei Höllenkreise tiefer und grundsätzlicher tummeln. Nicht mehr als soziales Experiment, sondern als mythische Anordnung. Das Knäuel der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christian Rakow
Fritz Kater schlägt in seinem neuen Stück «Buch (5 Ingredientes de la Vida)» den ganz großen Bogen vom Amerika der Nachkriegszeit in die Gegenwart der alten Utopien: der Stückabdruck und die Uraufführung in München
Tadeusz Kantor, vor 100 Jahren geboren, hat mit seinem «Theater des Todes» osteuropäische Rätselwelten des 20. Jahrhunderts geschaffen.
Was sie...
Noch in ihrem letzten Gespräch mit der amerikanischen Performance-Künstlerin Annie Dorsen kurz vor ihrem Tod hielt Judith Malina an ihrem unbedingten Begriff von politischem Theater fest: «Es gibt zwei Klassen von Leuten im Theater: die Performer und die Zuschauer. Und das Verhältnis zwischen ihnen ist politisch. Wir haben viele Jahre darüber geredet und sind zu...
Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
