Liebe TINA, es geht dir gut!
Früher war es einfach selbstverständlich, gegen den Kapitalismus zu sein. Was müssen das für Menschen sein, die allen Ernstes Spaß daran haben, Geld zu machen, dachte man. Das war so absurd, wie den FC Bayern München zu unterstützen. Ich erinnere mich noch, es war Ende der 90er, als ich mit ein paar Freunden in einem Berliner Café saß und eine Ausgabe der Zeitschrift «Brand eins» durch das Etablissement flatterte. «Schau einer an», sagte einer: «Nun ist es so weit: Das ist die erste Hipster-Zeitschrift, die dezidiert pro-kapitalistisch ist.» Und so war es.
Ein paar Jahre später war die «Jungle World» die einzige Hipster-Zeitung, die noch dezidiert anti-kapitalistisch war. Und auch die hatte langsam andere Präferenzen.
Man war zwar nicht gerade einsam als Anti-Kapitalist, aber die Reihen lichteten sich doch beständig während der TINA-Jahre. Die TINA-Formel – There Is No Alternative –, meistens Maggie Thatcher zugeschrieben, wurde ab circa 1991 zum offiziellen Mantra der Posthistoire, die angeblich mit dem Ende der Systemkonkurrenz begonnen hatte. Meistens wurde dieses TINA-Gefühl der Posthistoire als halb panisches, halb begeistertes Paradox vorgetragen: Jetzt ist alles möglich, denn ...
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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 6
von Diedrich Diederichsen
Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine...
Er kann eigentlich ganz anders sein, und es scheint, als käme er auch gar nicht mehr so selten dazu. Gewiss, «die Angst des Schauspielers vor der Bühne», wie Michael Wittenborn sagt, ist weiterhin da. «Wenn ich nicht die Freiheit hätte, wegzulaufen, dann würde ich da nicht rausgehen.» Nichts größer als sein Wunsch, die abendliche Vorstellung möge, durch welche...
Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins...
