Abfahrt auf der Hirnpiste
Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der deutschen Verlagslandschaft. Der Schauspielschüler und gelernte Buchhändler Alexander wollte abenteuerliche Hirnloipen und steile Abfahrtspisten mit damals entlegener oder vergriffener Theaterliteratur an- und verlegen.
Peter Brooks «Der leere Raum» wurde zum Wegweiser für das, was Wewerka auf den Weg brachte: Theorie, nicht als Wissenschaft, sondern aus Erfahrung und mit der Lust der Praktiker. Das wurden die Longseller, die mittlerweile in keinem Fußnotenapparat mehr fehlen, wenn es um die Wege der jüngeren Theatergeschichte geht.
Müller, Fauser, Mamet
Ein großer Paukenschlag dann 1992 mit der ersten Buchausgabe von Heiner Müllers gesammelten Gedichten. Ohne Vor- und Nachwort, in «brutaler Chronologie», wie sie der Meister später für seine Werkausgabe (bei Suhrkamp) verfügte, wurde der Band in grauem Leinen bald zu einem ...
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Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?
Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.
Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?
Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man...
Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und...
