Geisterstunde
Vielleicht irrt ja in dem Haus Schlüterstraße 45 in Berlin jetzt immer noch eine Figur wie der Diener Firs aus Tschechows «Kirschgarten» umher: vergessen nach dem Auszug all der anderen Menschen, die die Räume davor bewohnten, von all den Gästen, die hier ein- und ausgingen; eingesperrt wie die Erinnerungen an die Tage und Nächte in diesem Haus, an die Geschichte und Geschichten, die hier gemacht und erzählt wurden.
Dieser Firs wäre dann der Hoteldiener gewesen, einer, der immer aufmerksam und kaum bemerkbar die Wünsche erfüllte, der über das sonst zuverlässig knarzende Parkett kaum hörbar schlich, der den ratternden Aufzug in die Etagen schickte, der unter dem Baldachin vor der Haustür stand und Fremde und alte Bekannte gleichermaßen herzlich begrüßte. Einer, der wusste, welches Zimmer Hanna Schygulla bevorzugt, und einer, der vom rauschenden Leben der Fotografin Yva erzählen konnte, obwohl er damals, in den tollen Berliner 20er Jahren, noch gar nicht dabei war. Einer, der einem den Schlüssel mit dem schweren Anhänger vertrauensvoll in die Hand gab, und einer, von dem die Schauspielerin Eva Mattes gesagt hätte, er gehöre zum «Kulturgut» wie überhaupt das ganze Haus Schlüterstraße ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Magazin: Abschied, Seite 67
von Bernd Noack
Mit dem Kopf auf der Tischplatte hängt er da, Ivanov, ein abgekämpfter Enddreißiger in tristen Farben. Aus den Lautsprechern dringt ein hoher Tinnitus-Ton, das Fiepen einer überstressten Seele. Zwei Stunden später wird dieses Auftaktbild der Inszenierung auch ihr Schlussbild sein. Dazwischen hat Regisseur Michael Talke eine Reise in die Innenwelt dieses depressiven...
Der arbeitnehmerausbeuterische Pfui-Teufel-Versand amazon, den man doch nie mehr benutzen wollte, hatte im letzten Moment geholfen: Drei Tage vor der Castorf-Premiere an der Berliner Volksbühne, eine Woche vor Weihnachten, lag sie im Briefkasten, die speckige beige Leinenausgabe der «Kusine Lisbeth», die verschweigt, aus welchem Jahr sie stammt. Vier Euro hat das...
Meinen sie das wirklich ernst? «Den jungen Regisseur Sarantos Zervoulakos», ist auf der Website des Düsseldorfer Schauspielhauses zu lesen, «reizt es zu überprüfen, ob man heutzutage noch eine Landpartie unter falschem Namen unternehmen muss, um ein Anderer zu sein.»
Nun. Man muss sich ja nicht gleich einen martialischen Avatar erfinden, um als tapferer Krieger...
