Blättern statt Klicken
Sie knistert verheißungsvoll bei jeder Berührung, braucht Raum – mindestens einen Sitzplatz in der U-Bahn, besser noch eine Ecke im Café –, um sich genüsslich aufzublättern und verströmt das unvergleichliche Aroma von frischem Papier, Druckerschwärze und gut gewürzter Geistesnahrung. Bei den Kindern der Post-Gutenberg-Ära könnte eine derartige Beschreibung bald nur noch ahnungsloses Achselzucken auslösen.
Und selbst wenn der immer wieder an die Wand gemalte Niedergang der Printmedien verglichen mit Finanz-, Klima- und anderen Katastrophen eher marginal erscheinen mag und der Ruf nach öffentlich-rechtlichen Rettungsschirmen ebenso aussichtslos wie politisch prekär, bedeutet es doch einen schleichenden Verlust von Lese- und Lebensqualität, der mit dem drohenden Zeitungssterben einhergeht und in erster Linie die Schreiber, in zweiter die Beschriebenen, aber letztlich auch die Leser trifft. (Wohinter, bitteschön, soll man sich als Morgenmuffel am Frühstückstisch sonst verstecken?)
Nahkampf um Flächen
Dabei ist es gar nicht so sehr der Untergang einzelner großer Tanker wie der «Frankfurter Rundschau» oder der «Financial Times Deutschland», sondern vielmehr der kontinuierliche Abbau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Magazin: Theaterkritik, Seite 70
von Silvia Stammen
Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist...
Jetzt hat auch Carmen-Maja Antoni, die schon als Pionier des DDR-Kinderfernsehens ein Star war und heute nicht nur als Hotti Krauses Schwester Elsa das Fernsehpublikum, sondern als Brecht-Interpretin auch die Theaterzuschauer mitten ins Herz zu treffen versteht, ein Buch geschrieben: «Im Leben gibt es keine Proben», das sie der Journalistin Brigitte Biermann in die...
Angehängt an Wolfram Lotz’ Theaterstück «Der große Marsch» ist eine frisch delirierende «Rede zum Unmöglichen Theater», die man jedem Schauspielschüler, dem sie nicht sowieso schon aus dem Herzen spricht, an den Garderobenspiegel pinnen möchte. Es geht los mit «Die Würstchen der Wahrheit, die für uns gebraten werden, wollen wir nicht mehr essen!», dann verflucht...
