Über die Wupper
Ein neues Haus, eine neue Intendantin. Aber keine freudige Erwartung. Zu schwer wiegen die Hypotheken der Vergangenheit und die Lasten der Gegenwart.
Wenn man das neue «Theater am Engelsgarten», wie sich die neue Spielstätte des Wuppertaler Schauspiels nennt, mit der alten vergleicht, erhält man ein Bild für die veränderte gesellschaftliche Situation des Schauspiels in Deutschland: Hier der elegante, repräsentative Bau von 1966 mit Platz für 700 Zuschauer, zurückhaltend modern, auch etwas verspielt mit seinen Wandelgängen und japanisierenden Gärtchen, im Zentrum der Stadt, umflossen von der Wupper. Dort nun versteckt hinter einem historischen Bergischen Haus (dem Friedrich-Engels-Haus), integriert in das Museum für Frühindustralisierung, von einer Straßenböschung begrenzt, eine umgebaute Lagerhalle mit 160 Plätzen, erweitert um einen kleinen, roten Anbau für Künstlergarderoben und ein enges, gläsernes Foyer. Marginalisierung und Musealisierung ins architektonische Bild gesetzt.
Das Schauspielhaus verwittert inzwischen einer möglichen neuen Verwendung entgegen. Es gibt Pläne für die Installation eines Pina-Bausch-Zentrums mit internationaler Projektwerkstatt dort. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2015
Rubrik: Start, Seite 50
von Gerhard Preußer
Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ –...
Es gibt tatsächlich nur eine Leiche, die weggeschafft werden muss in Marco Stormans «Hamlet»-Inszenierung in Ingolstadt: Polonius hievt eigenhändig sein Versteck, eine spanische Wand, vom Bühnenrand in die Mitte und fällt dann, getroffen von einem Pistolenschuss, stilecht um. Da liegt er nun im Weg und wird mühsam ins Abseits gezerrt. Die anderen zahlreichen Morde...
Entweder lebst du hier und hast dich nun eingewöhnt oder du gehst fort von hier und hast es so gewollt oder du stirbst und hast es geschafft. Darüber hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts.»
Das wäre doch mal ein Spielzeitmotto: Dar-über hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts! Der 2000 Jahre alte Aphorismus des stoischen römischen...
