Gepflegter Nazi-Chic
Wenn einer einen anderen erschießt, kann das quälend lange dauern. Vor allem dann, wenn der Erschossene von derselben Person gespielt wird wie der Mörder. Immer wieder tauscht Schauspieler Meinolf Steiner sein blaues Sakko gegen den Smoking nebst Fliege aus, spricht zwei Sätze, und die Umziehorgie beginnt von vorne. Bis zum finalen Abdrücken und zu Boden Sinken des Opfers. Minutenlang dauert der Mord – an sich selbst.
Denn mit dem Tod des Firmenpatriarchen Joachim von Essenbeck beginnt mitnichten eine neue Zeit.
Enkel Martin ist nur ein Wiedergänger im ewigen Kampf um die Spitze und im Bemühen, sich ganz oben zu halten – bis zum nächsten Mord. Es sind immer dieselben Persönlichkeiten in einem ewig gleichen Spiel – die Aussage, die die niederländische Theatergruppe ZT Hollandia mit einer Reihe von Doppelbesetzungen in ihre Bühnenfassung des Visconti-Films «Die Verdammten» eingewoben hat, ist so einleuchtend wie banal.
Und führt, im Gegensatz zu Viscontis melodramatischer Transformation der Geschichte vom Aufstieg des Nationalsozialismus, zu einer kritischen Distanz beim Publikum, die immer wieder in Verwirrung umschlägt. Man steigt einfach zwischen andauernden Kostümwechseln nicht ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Alexander Kohlmann
Dass der Wille zum Spaß in nackten Unterhaltungsterror münden kann, beweist nicht nur der Kölner Karneval, sondern auch Andreas Kriegenburgs zeitnah am Staatsschauspiel Dresden herausgekommener Schenkelklopfer «Was ihr wollt» nach William Shakespeare.
Das Illyrien, in dem die elisabethanische Verwechslungsgesellschaft festhockt, ist hier ein vom Regisseur selbst...
Mein Pass weist mich aus als Bürgerin des Königreichs Ros-u, das bezeichnenderweise ein über seine Nabelschnur tief im Erdreich verwurzeltes Ferkel in seinem Wappen trägt. Die armen Bewohner huldigen einem archaischen Fruchtbarkeitskult, Anhänger anderer Religionen werden diskriminiert und verfolgt. Vermutlich alles Gründe dafür, dass ich, 54, weiblich, meine...
Berlin,
Ballhaus Naunynstraße
7. Abdel-Maksoud, Kings (U)
Regie Nora Abdel-Maksoud
Berlin, SophiensÆle
16.–18. Morris, Feminine Fun Studies
Regie Chuck Morris
23.–28. Interrobang,
Preenacting Europe
Performance von und mit Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg, Lajos Talamonti,
Ekkehard Ehlers
29.–31. Koikate, Ich bin Viele
(Die kleine Meerjungfrau)
Performance von und mit...
