Mittendrin, ganz nah
Pina. Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren» – etwas altmodisch Expressives haftet diesem Titel an. Unumwunden pathetisch weltretterhaft hat Wim Wenders seinen Film über die im Sommer vor zwei Jahren verstorbene berühmte deutsche Tanztheaterchoreographin aus Wuppertal und ihr Werk genannt. Das als einen Nachhall von Pina Bauschs ebenfalls recht enigmatischen Stücktiteln zu begreifen, ist sicher nicht falsch – so wie «Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört» oder «Für die Kinder von gestern, heute und morgen».
«Achtung, Personen, die empfindlich auf rührende Inhalte reagieren, könnten Probleme bekommen,wenn sie diesen Film ansehen» – solche Warnungen spricht die Filmindustrie nicht aus. Pina Bausch habe mit dem Herzen gesehen, analysierte Wenders bei der Trauerfeier am 4. September 2009 im Opernhaus Wuppertal. Ein Jahr früher, in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt an Bausch, hatte er bekannt, einmal, in einem Wuppertaler Tanztheaterabend sitzend, «einen Kloß im Hals» gespürt und «hemmungslos drauflos geflennt» zu haben. Wem bei diesen Reminiszenzen großer Gefühle und kleiner Prinzen unbehaglich wird, der empfindet vermutlich auch ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Wiebke Hüster
Wir sehen Henry Hübchen in Jeans, Windjacke und mit Zigarette durch den Prenzlauer Berg spazieren. Mit Sonnenbrille am Ostseestrand, stets leicht gebräunt, im weißen Hemd, mit überlegten, entspannten Bewegungen auf der Holzjolle («Seniorenkreuzer» sagt Hübchen).
Er zeigt seine alte Schule in der Pasteurstraße, spielt im Auto den Song «Casablanca» vor, den er für...
Wenn er dann Solveig trifft, die für den Rest des Stücks eine Weltreise lang auf ihn wartet, wird er gar zum Vergewaltiger. «Und höre nur, wie bös er war:/er peitschte, ach, sein Gretchen gar», möchte man mitfühlend murmeln, wenn der Frankfurter Peer Gynt über das arme Mädchen herfällt, ist im Moment aber noch gefangen vom Überwältigungstheater, mit dem der...
Kinderlosigkeit führt heute zu allem Möglichen, zu weiblichen Karriereplänen, demographischen Debatten, künstlichen Befruchtungen, Leihmüttern, aber nicht zu Mord. Hauptmanns «Ratten» aktualisieren zu wollen, wäre absurd. Zur Gegenwart aber gehört die selbstreferentielle Struktur dieses Dramas: wie es sich auf sich selbst beziehen muss, wenn es über die...
