Es ist was faul
Vier ganze Seiten braucht Intendant und Regisseur Ansgar Haag im Programmheft, um zu erklären, wie er sich diesen seinen «Hamlet» gedacht hat: ausgerechnet als einen nämlich, der der «deutschen Geschichte den Spiegel» vorhält.
Somit ist also nach Meininger Lesart nicht etwa in Dänemark, vielmehr im historischen Staate DDR etwas faul. Jahrzehnte nachdem der Rest der Welt das auch spitzgekriegt und dem Arbeiter- und Bauernland die weitere Existenzberechtigung untersagt hatte, soll für schauerliche Nostalgie ausgerechnet Shakespeare sorgen.
Der Titelheld selber verkörpert also mit seinem zögerlich-melancholischen Verhalten laut Haag die «Unentschiedenheit der Intelligenzia», verhält sich zunächst wie Gandhi, dann eher wie einer von der RAF. Laertes’ Volksaufstand soll an «Wir sind das Volk» erinnern, das Handeln des jungen Fortinbras eher an den Vereinigungswillen des westlichen Europas; von Reisefreiheit und Kapitalismus-Faszination ist die Rede, von «olympiaverdächtigen Fechtkämpfern» spricht der Regisseur, nicht ohne an «Sportkarrieren wie die von Katharina Witt» (!) zu denken. Die Wiedervereinigung kommt ebenso vor, wie natürlich Rosenkranz und Güldenstern von der Stasi sind. Und ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Bernd Noack
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