Splatter-Antike
Von der menschlichen Seite betrachtet, ist so ein Mythenheld ja wenig sympathisch. Herakles’ Weg zum Ruhm ist mit Leichen gepflastert, sein Familienleben ein Desaster, seine Sozialkompetenz ungenügend. Am Ende stirbt dieses Egomonster einen qualvollen Tod. Damit beginnt die Trilogie von Armin Petras. Die drei Stücke («Herakles’ Tod», «Alkestis, mon Amour» und «Herakles’ Kinder») hat Petras bereits 2004/05 verfasst, nach Vorlagen von Sophokles und Euripides. In Basel hat Peter Kastenmüller alle drei erstmals im Paket inszeniert.
Eingangs hält Katka Kurze als Deianeira auf einem niederen Palastbalkon Ausschau nach ihrem Ehemann Herakles. Da reicht ihr der Bote Lichias (Florian Müller-Morungen) die Kriegsbeute hinauf: eine schöne Sklavin. Ioles Bauch (Vera Rüegger) wölbt sich bereits schwanger unterm Hängerchen.
Einen Moment bewahrt die Königin die Fassung. Vorbei die Illusion vom ehrbaren Helden. Dann reicht sie dem Boten ein mit Centaurenblut getränktes Hemd: frisch von der «City-Reinigung» verpackt, dennoch hochgiftig. Der Effekt übertrifft alle Albträume: Michael Neuenschwanders Herakles sieht aus wie aus dem Splatter-Movie entwischt. Hemd und Fleisch lappen ihm in Fetzen von der ...
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Eine Stadt hat Fieber. Die Stadt heißt Wittenberge, und vier Monate lang hat sich das Maxim Gorki Theater in Berlin in seinem Projekt «Über Leben im Umbruch» in Uraufführungen, Podiumsdiskussionen und Filmabenden mit dem Soziotop dieser schrumpfenden Stadt beschäftigt. «Fieber», das neue Stück der Mecklenburgerin Juliane Kann, bildet den Abschluss dieses Crossovers...
Normalerweise münden die seltenen Theaterbesuche mit meinem Vater direkt in die Regietheaterdebatte. Er findet es schrecklich, dass Theatermacher nicht mehr nach der Intention des Autors suchen, sondern ihre eigene Sicht (die im Wesentlichen aus brüllenden Nackten besteht) fremden Texten überstülpen. Ich dagegen finde es schrecklich, dass er seine pauschale...
«Man wird das Gefühl nicht los, man müsse noch mal zurück ins Jahr 2000 – haben wir nicht irgendetwas Wichtiges vergessen?», fragt Alexander Karschnia im Webmagazin Berliner Gazette. 2006 startete «Little Red», titelgebende Protagonistin der Performance von andcompany&Co., ihre erste Bühnen-Zeitreise aus der Zukunft des 3. Jahrtausends direkt in die Nachwendezeit....
