Alles wird anders: morgen

Am Zürcher Neumarkt gräbt Barbara Weber einen alten Pirandello aus, am Schauspielhaus stärkt Barbara Frey die Frauen um Tschechows «Platonow». von Ellinor Landmann

Theater heute - Logo

So schön wäre es, jemand anderes zu sein! Strategien zur Änderung des Lebens präsentieren zwei Zürcher Premieren: Am Schauspielhaus inszeniert Chefin Barbara Frey Anton Tschechows «Platonow». Für das Theater Neumarkt stellt Co-Leiterin Barbara Weber Luigi Pirandellos «Die Nackten kleiden» in einem Nachtclub auf die Bühne. Unzufrieden ist das Personal, dem sich die beiden Zürcher Regisseurinnen stellen. Vom Leben enttäuscht, schlingern Tschechows Figuren durch ihr Sein, stets auf der Suche nach jemandem, der die Leere zu füllen vermöge.

Luigi Pirandellos Personen dagegen suchen gar nicht mehr, sie helfen sich selbst und erfinden unbefriedigende Biografien flugs neu. Den Komplikationen der einen und der anderen Strategie gehen die beiden Inszenierungen nach.


    Wem gehört die Geschichte?

Im Zürcher Nachtclub «Saint Germain» an der noblen Bahnhofstraße hat das Theater Neumarkt temporär seine Zelte aufgeschlagen. Großes Interesse war der Premiere von Luigi Pirandellos 1922 uraufgeführter Komödie «Die Nackten kleiden» sicher, denn die Schweizer Boulevardpresse hegt eine Vorliebe fürs «Saint Germain» und seinen Besitzer, den Millionärserben Carl Hirschmann. Letzterer hatte sich in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Ellinor Landmann

Weitere Beiträge
Leben im Schnelldurchlauf

«What are you looking at?», fragte der Leuchtkasten am lebensgroßen, rundum einsehbaren und von innen blickdicht verspiegelten Terrarium, in dem sich das Gob-Squad-Kollektiv beim Festival «reich & berühmt» im Jahre 2000 stundenlang selbst exponierte − als lebendes Tableau beim Dinner, mit schwarzer Netzstrumpfhose auf dem Flokati oder in tanzseliger Partystimmung:...

Glück entlaufen

Die Buchstaben sagen nichts und strahlen dennoch Bedeutsamkeit aus. 13 Stück sind es, lebensgroß. In der Lichtinstallation (Bühne: Raimund Bauer) Sinn und Ordnung zu erkennen, gar eine chiffrierte Botschaft zu entschlüsseln, zählt zu den anspruchsvolleren Denksportaufgaben dieses 50 Minuten kurzen Theaterabends. Man kann die Leuchtlettern gruppieren, je nach...

Nichts ist wunderbar

Der Holländer Johan Simons setzt in seiner ersten Intendanten-Spielzeit an den Münchner Kammerspielen deutliche Signale: So bayerisch ging es hier schon lange nicht mehr zu, mit Ivo van Hoves «Ludwig»-Spektakel, einem Feuchtwanger-«Erfolg»-Lesemarathon und zuletzt einem Premierenwochenende, das sich tief ins Nächtliche der Bayern-Hauptstadt wagte: in die dunkle...