Sich kennen, mögen, verachten und schätzen
Am Ende können sie froh sein, wenn sie als Toastbrot über die Bühne stolpern dürfen: Die sechs Schauspieler in Roland Schimmelpfennigs «Reich der Tiere» haben wenig erhebende Berufsperspektiven. Eben noch gequälte Routiniers in einem musicalartigen Disneyverschnitt à la «König der Löwen», und nach sechs Jahren anonymer Dienstleistungsdarstellerei, versteckt unter Masken, demnächst wahrscheinlich arbeitslos – wenn sie nicht eine neue Chance bekommen im Nachfolgekassenquäler «Der Garten der Dinge»: als Ketchupflasche beispielsweise.
Schimmelpfennigs Ausflug in die ehrwürdigen Gefilde der Backstage-Comedy am untersten Ende der Bühnenkunstleiter lässt alle Unterhaltungschancen des Genres vorsätzlich ungenutzt, und die unvermeidlichen Restpointen werden von Regisseur Jürgen Gosch im Deutschen Theater lässig unterspielt. Stattdessen findet sich der Zuschauer über drei zum Teil quälend lange Stunden als MiterlebensVoyeur in den Umkleide-Elendsquartieren einer Fließband-Bühnenshow. Kein erniedrigendes Ganzkörperschminkritual, keine trostlose Garderobenintrige, kein ausführlich abgerissener Zehennagel bleiben unausgespielt. Doch spätestens wenn Wolfgang Michael, mehr gerupftes Huhn als ...
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Seinen «Parsifal» hat er ihn genannt: Thomas Manns Verhältnis zu seinem Roman «Doktor Faustus» war schon während des Schreibens hochemotional. Ein Erlösungswerk sollte es für den Künstler und dessen Leser sein, die Summe eines Lebenswerks, vielleicht gar ein letztes Wort, überpersönlich und zugleich sehr privat, ja intim. Die imaginierte Lebensgeschichte des...
In diesem «Ödipus» geht ein gezackter, mit Glas oder Plexiglas bedeckter Graben durch den Zuschauerraum (Bühne Karl-Ernst Herrmann). Wie ein Blitz des Zeus! Ob der tatsächlich mit Licht gefüllt wird? Oder Blut?
Die Zuschauerrampe ist schwarz und steil abfallend, die Bühne steht auf einem Metallgerüst, das wiederum im Wasser steht, und ist schwarz und steil...
Barbara Burckhardt Matthias Matschke, als Sie vor über zehn Jahren nach einer Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste unter anderem bei Castorf und Marthaler starteten, wurde Ihnen und Ihrem «Wahnwitz» eine große Theaterkarriere prophezeit. In den letzten Jahren konnte man Sie aber eher in Sat 1 als auf der Bühne sehen, bei Anke Engelkes...
