Tarantellas Veitstanz
Der Säugling liegt auf dem blanken Boden in der Mitte der Bühne. Er blinzelt in die riesige grelle Industrielampe, die wie ein Damoklesschwert über ihm pendelt, zuckt mit den Armen und schließt die Augen. Kurz zuvor hatte Jokaste ihn hier abgelegt und seinem Schicksal überlassen, das ihn alsbald in Gestalt der kriechenden, rollenden Horde der Ödipus–kindeskinder mit sich zieht. Mehr Widergänger als Hoffnungsträger scheint das Neugeborene zu sein, denn es wurde in einem gespenstischen Geschlechtsakt mit einem langhaarigen alten Mann gezeugt – dem wieder auferstandenen Laios.
Zum dritten Mal hat sich der belgische, auf internationalem Parkett tanzende Regisseur, Choreograf und Schauspieler Wim Vandekeybus mit seiner Tanzkompanie Ultima Vez dem Ödipus-Mythos gewidmet. Nach der Uraufführung in Wien gibt es nun eine Kölner Version, an der neben den Tänzern auch vier Kölner Schauspieler beteiligt sind. Die äußerst knappe, klare Textfassung von Jan Decorte unterbricht und strukturiert die exzessiven Tanzszenen, in denen die Vorgeschichte der Ödipus-Tragödie assoziativ aufleuchtet: Zerquält-verdrehte Körper dokumentieren Pest und Leichenberge, inzestuöse Übergriffe und eine gewaltvoll ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Natalie Bloch
Franz Wille Auf einmal ging es ganz schnell. Nachdem bereits zugesagte Mittel für einen lange geplanten zentralen Neubau der Ernst-Busch-Schule von der Berliner SPD erst überraschend gestrichen wurden, stehen nun plötzlich doch 33 Millionen Euro bereit. Wie ist das plötzliche Einlenken der SPD-Fraktion zu erklären?
Wolfgang Engler Das Umschwenken der SPD vollzog...
Dass das Verhältnis von Elfriede Jelinek zu Österreich gestört ist, hat noch nicht unbedingt etwas zu sagen. Es gibt wahrscheinlich keinen Staat auf der Welt, zu dem diese Autorin kein gestörtes Verhältnis hätte. Aber da Jelinek nun einmal hier geboren ist, arbeitet sie sich in ihren Texten eben an Vergangenheit und Gegenwart von Österreich ab. Stoff gibt es ja...
Geht es um Sport und Homosexualität, hat man es auch heute noch mit einem explosiven gesellschaftspolitischen Thema zu tun. Alleine das zeigt, wie weit Tennessee Williams sich vorwagte, als er vor mehr als fünfzig Jahren den Konflikt des Sportreporters Brick während einer Familienfeier zum Köcheln brachte. Man hat sich zu Ehren von Big Daddy versammelt, und da...
