Wörter ohne See
Jesus sieht aus wie Hermes Phettberg, nur die Jeans sind nicht so versifft wie beim Original. Jesus ist Protagonist des neuen Franzobel-Stücks «Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie», einem Auftragswerk des Burgtheaters. Es handelt sich, wie der barocke Titel schon sagt, um eine Mischung aus Passionsspiel und Familiendrama: Der Erlöser ist ein fetter Couch Potatoe, der lieber vor dem PC masturbiert als seinen ehelichen Pflichten nachzukommen; seine Familie (Vater, Mutter, Schwager) ist eine Ansammlung kleinbürgerlicher Monster.
Ungefähr so hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Werner Schwab «Das Leben des Brian» geschrieben hätte.
Nachdem ihm in Gestalt einer «geilen Alten» die göttliche Erleuchtung widerfahren ist, erschlankt Jesus auf wundersame Weise, er singt eine philosophisch aufgefrischte Version des Hohelieds der Liebe («Wenn ich Zizek und Baudrillard und Derrida gelesen hätte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts») und predigt die politisch korrekte No-Logo-Lehre: Keine Chiquita-Bananen! Keine Nike-Turnschuhe! Kein Shell-Benzin! Aber die Menschen missverstehen seine Lehre («Er hat gesagt, wenn wir keine Bananen essen, kommen wir in den ...
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Stafettenwechsel nun auch in Halle. Auf etwas ruppige Weise waren die Honoratioren der Stadt und Peter Sodann letztendlich auseinander geraten. Sodann, der aus einem verrotteten Kino über Jahrzehnte hinweg mit Fantasie und Zähigkeit ein blitzblankes Kleinod gezaubert hatte (vgl. TH 2/2003), wollte sich von «seiner» Kulturinsel nicht trennen, die Stadt ihrerseits...
Entscheidend ist wieder mal die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist. Und in welchem Kontext etwas stattfindet. Also etwa: Wie lange darf ich vor dem Fernseher oder bei ebay abhängen, ohne in den Verdacht zu geraten, dies für abendfüllend zu halten? Oder: Bis zu welchem Alter kann sich ein arbeitsloser Akademiker glaubhaft als freischaffend ausgeben? Und, um etwas...
Duftspray duftet, weil der Mensch bisweilen stinkt. Und ein Lustspiel macht sich lustig, weil der Mensch bisweilen stänkert. Nun hat das eine mit dem anderen wenig zu tun, es sei denn, Herbert Fritsch inszeniert den «Geizigen» in Luzern. Der Regisseur lässt das Parkett im Prolog mit einer WC-frisch-verdächtigen Parfümwolke einnebeln. «Viel Spaß», wünscht der...
