Die Stafette

Rede am 5. Mai 2013 zur Verleihung des Theaterpreises Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung

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Ich erinnere mich: 1995, im Sommer, nach zwölfjähriger Abwesenheit, war ich heimgekehrt in meine Stadt, die nun wieder eine ganze war, und eben verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag. Ja, wirklich! Ausgezogen aus der Stadt zum ersten Mal war ich im Totalen Krieg. 1943 nach Franken, wo es Nazis gab wie Sand am Meer. Als Einzelkind. Meine Mutter hatte es gleich wieder zurückgetrieben nach Berlin zum Vater und unserer beschädigten Wohnung, so dass ich allein bei Pflegeeltern blieb, für die ich, als der Spuk zuende ging, ein Klotz am Bein war.

Da lernte ich mich verstellen, stehlen und betteln. Dann lief ich im Juni 1945 weg. Nach Hause, ins zerbombte, kaputt geschossene Berlin. Meine Eltern suchen. Ich fand sie, ging zur Schule, ging schieben, tauschen, hamstern, stehlen. Versagte in der Schule, durfte ins Internat auf die Insel Scharfenberg im Tegeler See, ging weg von da, als Berlin geteilt wurde und uns Internatsschülern großes Unrecht geschehen war, politisches Unrecht, weg aus Westberlin, in die Ostzone, dahin, wo man die DDR gründete. 1949. Da blieb ich. Da machte ich mein Abitur, das in den Westsektoren nicht anerkannt wurde. Da wurde ich, erst in Weimar, dann in ...

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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Akteure, Seite 54
von Jürgen Holtz

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