Debatte
Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die sogenannte Kulturindustrie, sei es durch propagandistisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur Zeit der Studentenrevolte war, und man kann, wie neulich Alexander Karschnia in den Sophiensaelen, schon mal auf die Idee kommen, die Flagge der Frankfurter Schule für die gute Sache der Zweckfreiheit zu schwenken.
Denn wohin man auch blickt, Theaterkunst ist selten nur reines, selbstgenügsames Spiel. Theater mit Migranten, Theater mit Neuköllner Rütlischülern, Theater mit Behinderten, überhaupt Theater mit allem, was strukturschwach erscheint oder eine Minderheit bildet. Theater, das über den Coltanabbau im Kongo, die miesen Methoden der Fleisch- oder Waffenindustrie oder den Krieg in Syrien aufklärt. Tribunale oder Beerdigungen, für die Theater vielleicht nur noch als Tarnung und Legitimationsrahmen taugt, die aber tatsächlich konkrete politische Ziele verfolgen. Theaternetzwerke, die zu konkreten Handlungen aufrufen, ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Eva Behrendt
Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht...
Über zu wenig Publikum konnte sich der Grazer Puppenspieler Nikolaus Habjan schon als Kind nicht beschweren. Wenn seine Eltern Besuch bekamen, mussten die Gäste im Laufe des Abends auch ins Kinderzimmer schauen. Dort wartete der kleine Nikolaus schon mit einem perfekten Bühnenbild. «Der Luftbefeuchter war die Nebelmaschine, die Schreibtischlampe die Beleuchtung»,...
Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...
