Wie frei ist die Freie Szene?
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er Jahren auch im Hinblick auf die Produktionsweisen der Gruppen.
Macht diese Trennung in Freie Szene und Stadttheater heute noch Sinn?
Martine Dennewald Wenn ich als Ausländerin von außen draufschaue, frage ich mich, was diese Freie Szene heute eigentlich ist. Von ihren Produktionsweisen her betrachtet, sind schätzungsweise 90 Prozent der Künstler, die in Frankfurt leben und arbeiten, «freie» Künstler. Das bedeutet, dass wir von einer Mehrheit sprechen und nicht mehr länger von einer Minderheit oder einer Außenseiterposition zu etwas Etabliertem. Meiner Erfahrung nach entscheidet sich die jüngere Generation von freien Theaterkünstlern nicht mehr gegen eine Institution wie das Stadttheater, sondern sie beansprucht ganz selbstverständlich und selbstbestimmt gewisse Merkmale dieses freien Arbeitens wie Produktionsstrukturen, ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Freie Szene, Seite 36
von Gerald Siegmund
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In Zürich tobt gerade ein Kulturkampf. Im ehrwürdigen Zürcher Schauspielhaus, dem sogenannten Pfauen, wo einst Leopold Lindtberg regierte, Maria Becker brillierte, zahlreiche ehemalige Burgintendanten ihre letzte Direktorenruhe fanden, wo Christoph Marthaler vertrieben wurde und Matthias Hartmann schöne Abende am See verbrachte, in diesen Tempel der Kunst soll ein...
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das...
