Es muss auch solche geben
Sechs Jahre ist es her, dass im Dezember 2000 der damals noch weitgehend unbekannte Michael Thalheimer am Hamburger Thalia Theater den denkwürdigen Anfang einer kleinen «Liliom»-Renaissance des 21. Jahrhunderts machte: Auf minutenlange Bewegungslosigkeit des hemdsärmeligen Protagonisten, die schließlich in einem seltsamen Schütteln der Arme, unwillkürlicher Ausdruck von Überdruss und Ratlosigkeit eines entfremdeten Subjekts, gipfelte, folgte ein mindestens ebenso langes Stroboskopgewitter lebensverwaltender (und -begrabender) Alltagspiktogramme.
Später durfte ein dumpf in seiner Verletzlichkeit vor sich hin brütender Peter Kurth vor dem neugierig starren Blick der blutjungen Fritzi Haberlandt symbolisch in ein Taschentuch wichsen, was den ehemaligen Bürgermeister der honorigen Hansestadt Klaus von Dohnanyi prompt zu dem berühmten Ausruf «Das ist doch ein anständiges Stück. Das muss man doch nicht so spielen» provozierte.
Immerhin schien es also noch Reibungspunkte zu geben zwischen einer schmutzig-romantischen Vorstadtlegende aus der Endphase eines zerfallenden k. u. k.-Imperiums und unserem bereits zu Beginn sexuell wie sozial ernüchterten Jahrhunderts der bürgerlichen ...
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