Das Material beherrschen
Weil ein guter Freund nicht richtig weiter weiß mit seiner Schülerin, bat er mich, einen Blick auf sie zu werfen und sie wenn möglich zu übernehmen, was natürlich auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruhen sollte, die zu überprüfen wäre …» Mit diesen Worten beginnt Anja Hillings neues Stück «Massiver Kuss». ER, der dort spricht, ist Auguste Rodin, berühmter Bildhauer und einer der führenden Wegbereiter der Moderne in der Kunst.
Die junge Frau, SIE, über die gesprochen wird, heißt Camille Claudel, ist ebenfalls Bildhauerin, Schwester des Schriftstellers Paul Claudel und eine der spannendsten Künstlerinnen ihrer Zeit.
Aus dem anfänglichen Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine skandalöse Liebe. Über ein Jahrzehnt hinweg verbindet die beiden eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Liebe und Kunst, Macht und Inspiration. Doch während Rodin mit seinen Werken Weltruhm erlangt, bleibt die junge Geliebte in seinem Schatten. Dabei ist mittlerweile bewiesen, dass ein Großteil von Rodins Arbeiten ihr zuzuschreiben sind. Als die Beziehung schließlich zerbricht, gerät Camille Claudel in eine tiefe Krise. Auf Intervention ihrer Familie wird sie in eine ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 163
von Nicola Bramkamp
Nachdem Mark Hayhurst seinen BBC-Film über Robespierre und den Terror der Französischen Revolution beendet hatte, war er auf der Suche nach einem neuen historischen Stoff. Schon immer wollte er einen Film über Antifaschismus in Deutschland drehen. Martin Davidson, der BBC-Beauftragte für Geschichte, kam ihm zu Hilfe und machte ihn auf den Fall des Hans Litten und...
Ein wolkenloser Tag im Mai. Ein Frühlingstag. Ein Junge, keine sechs Jahre alt, läuft entlang eines Baches den Vögeln hinterher. Der Bach teilt Hügel und Felder. Auf der einen Seite wächst Wein, auf der anderen weiden Kühe, Pferde und Schafe. Zwei Dörfer liegen an diesem Bach, «aneinandergeschmiegt wie Zwillinge im Bauch der Mutter». Und der Legende nach waren die...
Der 1958 im belgischen Sint-Niclaas geborene Autor Tom Lanoye hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt, wie gekonnt er alte Stoffe bearbeitet und neuschreibt. Bei «Mamma Medea» und «Atropa» waren es die Dramen des Euripides und Aischylos, in «Hamlet versus Hamlet», seinem Opus magnum «Schlachten!» und jetzt «Königin Lear» die großen Königsdramen Shakespeares,...
