Real war nur das Theater

Eine neue Biografie zu Leben und Arbeit von Gustaf Gründgens

Theater heute - Logo

Für ein weiteres Buch über Gustaf Gründgens, den versierten Schauspieler, Revue- und Kabarettstar, ab 1930 auch erfolgreichen Film-, Theater- und Opernregisseur, dann von Göring gestützten Staatstheaterintendanten und auch in der frühen Bundesrepublik wieder hochgeschätzten Theatermann können sich Geld zur Verfügung stellende Stiftungen und viele Verlage immer wieder begeistern. Obwohl dessen Arbeit keine in der zeitgenössischen Theaterpraxis wirksame Spuren hinterlassen und auch sein cineastisches Oeuvre nicht gerade filmgeschichtlichen Rang hat.

Der Mythos Gründgens ist aber offensichtlich immer noch sehr lebendig.

Das Erscheinungsbild dieses Virtuosen der spielerischen, höchst erfolgssüchtigen Anpassung war kein typisch deutsches wie das der ebenfalls in die Nazizeit verstrickten Schauspieler Heinrich George, Eugen Klöpfer oder Paul Hartmann; Gründgens war eben mondäner, dekadenter und subtiler in seinen schauspielerischen Mitteln; er hatte einen widersprüchlicheren und schillernderen Charakter, und vor allen Dingen verstand er es, gegenüber den Nazis seine Freiräume geschickt zu nutzen, nicht zuletzt, um gefährdete Kollegen und ihre jüdischen Frauen wirksam schützen zu können.

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2013
Rubrik: Magazin: Biografie, Seite 70
von Klaus Völker

Weitere Beiträge
Bürgerlicher Held, proletarische Heldin

Bürger sind keine Helden. Bürger sind bequem, und «bürgerlich» ist ein Synonym für schlechten Geschmack. (Der Wutbürger ist ja nur ein Oxymoron.) Aber Carl Sternheims Komödien-Serie «Aus dem bürgerlichen Heldenleben» hat Konjunktur. Nach Recklinghausen und Hannover brachte nun das Schauspielhaus Bochum die Trilogie aus «Die Hose», «Der Snob» und «1913» auf die...

«Man wird nur noch als Geldmaschine wahrgenommen»

Wolfgang Kralicek Stefanie Carp, zum ersten Mal kamen Sie 2005 als Vertretung für Marie Zimmermann zu den Festwochen. Wie ist Intendant Luc Bondy damals auf Sie gekommen?

Stefanie Carp Als Christoph Marthaler und ich das Zürcher Schauspielhaus leiteten, hatten wir Luc Bondy für eine Inszenierung eingeladen, «Auf dem Land» von Martin Crimp. Als er dann eine...

Raum für Experimente?

Für die Briten ist ihre Monarchie nicht nur kuschelige Tradition, die mit ihren Skandälchen, guten Taten und Schwangerschaften die Regenbogenpresse beglückt, sondern auch immer wieder knallharter Wirtschaftsfaktor. Alle Jahre wieder wird öffentlich diskutiert, wie viel die Queen und ihr Clan den Steuerzahler kosten; regelmäßig hält man dagegen, wieviel Mehrwert sie...