Auf der Suche nach Relevanz
Auf Vimeo gibt es einen zwei Jahre alten Clip von Konstantin Küspert, aufgenommen im medizinhistorischen Institut der Berliner Charité, wo er sich vor einer alten, badewannengroßen eisernen Lunge in Begeisterung redet. Mit seinem schwarzen Pullover, schwarzem Schlips zum weißen Hemd und der eckigen Randlos-Brille sieht er darin aus wie ein jung-dynamischer Bestattungsunternehmer. Dabei geht es ihm eher um das Gegenteil. Er könne sich gut vorstellen, meint er bestens gelaunt, dass man in Zukunft mal mit ein paar unter die Haut gepflanzten Chips o.Ä.
«die Beschränkungen des menschlichen Körpers transzendiert und in eine neue Stufe menschlicher Existenz eintritt». Und beim Blick auf ein paar daneben ausgestellte Hautpräparate mit besonders malerischen Tattoos fügt er ganz beiläufig an, dass ihn der Körper als Designobjekt schon immer interessiert habe.
Dabei schlenkert er sichtlich amüsiert mit dem rechten Arm, auf dem nicht zu übersehende, sorgfältig konstruierte Rechtecksmuster unter dem Ärmel vorleuchten. Die sind allerdings keineswegs nur Deko, sondern «physische Repräsentationen von Veränderungen in meinem Leben». Er habe schon mit 18 Entscheidungen treffen wollen, die ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Akteure, Seite 46
von Franz Wille
Vor vier Jahren kam ein weißes Köfferchen auf den Markt, genannt der «Choreografische Baukasten». Seine Handgepäckgröße legte eine Erste-Hilfe-Box ebenso nahe wie ein hübsches Gesellschaftsspiel. Nichts von beidem war drin, denn entwickelt hat ihn ein Fachgremium unter Leitung der Hamburger Universitätsprofessorin Gabriele Klein. Man staunte aber, hatte so etwas...
Eigentlich könnte man auch nur dieses Bühnenbild betrachten. Ein Schiff auf einem goldenen Meer unter einem goldenen Himmel, gediegen, vergangen, das gleiche Motiv auf allen Bildern einer Galerie. Da fühlt man sich sofort ohnmächtig. Weil das System so geschlossen ist. So gewaltig und erhaben. Und zugleich so offen. Weil dieses eine Bild durch seine Multiplikation...
Wer hätte gedacht, dass der legendäre Österreich-Hasser Thomas Bernhard einmal folgenden Satz geschrieben hat: «Mehr denn je ist heute das Brauchtum in unserem schönen Lande notwendig.» Oder diesen: «Solange der Bauer sät und die Bäuerinnen die Kinder einwiegen vor der Nacht mit guten Weisen, solang braucht uns nicht bange zu sein um die Welt.» Das erste Zitat...
