Halle: Neues Theater Studio
Zum Auftakt jugendliche Protestkultur: Ein BMW wird abgefackelt. Dann die Ansage: «Es folgt ‹Volksfeind› von Ibsen ...» – Was nun abgeht im Studio vom Neuen Theater Halle, nennt Regisseurin Martina Eitner-Acheampong «eine Untersuchung». Titel: «Ungehorsam!» Die Untersucher: Regie, Dramaturgie (Marie Senf) sowie ein energiestrotzender Studententrupp der Leipziger Theaterhochschule.
Das Ergebnis der kollektiven Forschung: eine knallige Bildersammlung pubertärer bis postpubertärer Umtriebe gegen die von Opportunismus, Lüge, Machtmissbrauch gezeichnete Erwachsenenwelt, in die auch Ibsens Stockmann gehört. Der Badearzt entdeckt Gift in der örtlichen Heilquelle, riskiert unterm Beifall der Menge brutalstmögliche Aufklärung, wird alsbald von dieser zurückgepfiffen und kleingehackt, bis er resigniert. Denn der Ruin des Kurbades würde auch das Kurgewerbe ruinieren und also die Existenz seiner Familie.
Was schon beim Norweger ins Farcenhafte geschraubt wird, treibt der spielwütige Nachwuchs voll in die Klamotte. Doch die fantasievoll arrangierte Collage aus historischem Stück und heutigem Doku-Text schüttet das Bestürzende nie ganz zu. Nur das Drama, das in der Entlarvung von Scheinmoral ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Reinhard Wengierek
Walter Scheel saß in den 70er Jahren hoch auf der gelben BRD-Kutsche und hat trotzdem nie singen gelernt. Der deutschen Fernsehshow-Industrie war das egal, Scheel durfte das Volkslied «Hoch auf dem gelben Wagen» fürs ZDF verballhornen. Etwa zur selben Zeit gewann Elfriede Jelinek schreibend Abstand von ihrem toten Vater und ist trotzdem nie mit ihm fertig...
Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz...
TH Matthias Lilienthal, Kirsten Hehmeyer, Ihre Zeit am HAU geht im Juni zu Ende. In zehn Jahren ist aus dem Bühnenkombinat im nordwestlichen Kreuzberg eins der erfolgreichsten Theater der Hauptstadt geworden – zwei Einladungen zum nächsten Theatertreffen, gute Auslastungszahlen und, nicht zuletzt, eine zugewandte Presse. Das war 2003/04, als Sie die drei...
